Samstag, 5. September 2009

Tschüss, ich hab erst mal genug!

"Wenn du an nichts glaubst, an keinen Gott, nicht an das Geld, nein, nicht mal an den Menschen, kannst du dann an dich glauben? Kannst du?"
Ihre Worte durchbohrten mich. Konnte ich, ja konnte ich das? Und wenn nicht, erübrigte sich dann nicht alles? Und kann das denn eine Lösung sein oder ist es bittere Kapitulation? Mein Chamäleon flimmerte wild. Tausend Farben tanzten und plötzlich war aus allem die Bewegung genommen. Jede Schuppe fand ihre Farbe, jede eine andere. Und im Großen ergaben sie ein großes Nichts. Ein Alles und nichts, ein vollendetes Spektrum, das jedoch nur Spiegelbild war, oder Sammlung, Kopie und sich nur durch die Angst davor nicht enttarnt zu werden zusammenhalten konnte. Ich zerbreche an dem was mich seit jeher über andere gestellt hat. Als sei ich am Ende der Welt von der Scheibe gefallen, ja ich hatte es endlich geschafft so weit zu kommen und dann war dort nichts, was mich hätte auffangen können. Nur eine Schwärze, keine Adjektive, nur schwarz. Das Höchstmaß an Verzweiflung.

Montag, 24. August 2009

Der Fuchs und das Chamäleon.

Über dem Café Nihil leuchteten stets die Sterne. Warum auch immer, hier war die Nacht am schönsten, hier konnte man sie am besten genießen. Ich saß in der Ecke, auf meiner Couch. Die Wände waren weiß, das Mobiliar schwarz. Im Allgemeinen war hier eigentlich alles sehr monochrom gehalten und das traf sogar auf die Gäste zu. „Suicide Jesus, what happened to the revolution?“ stand hinter mir an der Wand. Diesen Spruch hatte ich schon immer geliebt, deshalb war das hier mein Lieblingsplatz in meinem Lieblingscafé. Und es wäre ein Abend wie jeder andere für mich und mein Chamäleon geworden, wäre sie nicht plötzlich aufgetaucht. Beine, lang, bis in die Hölle hinab. Eine Haut von weißer Asche, kohlschwarze Haare. Glühende Lippen. Ihr Fuchsschweif strich sanft den Türrahmen, als sie eintrat. Ich teerte meine Lunge, das Chamäleon wurde wach. Ihre Aura füllte nach und nach den ganzen Raum und ich versuchte sie mit dem Rauch zusammen einzuatmen. Ein bittersüßer Geschmack, im Kern unbeschreiblich. Nicht unbeschreiblich schön oder so etwas, nein, einfach undefinierbar, geheimnisvoll, Umwoben von Schatten, die ich zu erkennen versuchte, dabei scheiterte, mir aber schwor sie zu erleuchten. Ich erhob mich. Das Chamäleon in meiner Brust schnalzte mit der Zunge, flimmerte, bildete, immer von neuem und fand den Schlüssel aber nicht. Gänzlich blind schien es dieses Mal, obwohl ihm keine Grenzen gesetzt waren. Aber ich würde den Fuchs schon zähmen.

Samstag, 15. August 2009

Nur Berlin.

Was nun folgt, muss eigentlich nicht sein. Warum? Weil über Berlin schon viel zu viel geschrieben wurde. Das langweilt, sogar mich selber. Aber, wie das eben mit Berlin so ist, ist es auch mit dem "über diese Stadt schreiben" etwas ganz eigenartiges. Berlin zieht die Tinte aufs Blatt, wie kaum eine andere deutsche Stadt. Also nun doch.
Der Flughafen Tempelhof ist eine gigantische Kulisse. Ein rießiger Bau, von der Infrastruktur her perfekt geeignet für ein Festival. In die verschiedenfarbigsten Lichter gehüllt, baut sich dieser verschwendend lange Halbring vor einem auf. Es ist nicht überlaufen, obwohl nachher Pete spielt. Was schmerzt sind die 3,50€ fürs Bier, ich hör meine Leber tief durchatmen. Pete muss sich um sowas nicht kümmern. Irgendwann so gegen 00.30 Uhr betritt er die Bühne. Mit einer Flasche Wein und einem Glas, dazu Gitarre. Aura. Ja, eine selbstzerstörerische, klitschnass geschwitzte, zum dahinschmelzend lächelnde Aura betritt die Bühne. Pete ist für mich fast schon eine literarische Figur, als ob es ihn in Wirklichkeit gar nicht gäbe. Er selbst fasziniert mich viel mehr, als seine Musik.
24 Stunden später gibt sich der stillgelegte Flughangar bewusst grotesk und zerstörerisch. Hach ja. Deichkind. Es gibt nichts, rein gar nichts, dass Menschen so bewegt, und damit meine ich bewegen im wahrsten Sinne des Wortes, bewegen, wie der Puppenspieler eine Marionette bewegt, wie die Musik das Publikum. Wie diese Musik das Publikum. Auf der Bühne ein Mann mit Pferdekopf und einem langen Stab in der Hand. Eine Art Zeremonienmeister, er kniet nieder, alle knien nieder. Was eine Messe, was eine Faszination. Es regnet, vom Schweiß der Luft, seichte Federn vom Himmel. Sie hindern mich am atmen, blöd, wenn alles was mein Körper zu mir sagt "atmen...atmen" ist. Ich stehe im Kampf mit mir selbst. Wach im Kopf, dank Koffeintablette, Fleisch: schwach. Wie so oft. Irgenwann dann schließlich Sense.
Tags darauf im Kaffee Burger. Alles mal langsamer angehen. Lesebühne. Die Texte, die gelesen werden sind teils unterhaltend, teils total scheiße. Aber gerade letzteres freut mich umso mehr, ich denk mir: Das kannst du besser. Heute will echt jeder Depp ein Buch schreiben. Aber, das muss auf jeden Fall erwähnt werden, Tarzan zieht an diesem Abend die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Tarzan, hm, Tarzan ist vermutlich irgendwas mit 50, trägt eine Armyhose, Sandalen, weiße Socken, eine Mütze. Er hat spindeldürre, tättowierte Arme und mit den langen Fingern daran spielt er oft, einfach so, Luftgitarre und schiebt dabei die Unterlippe vor. Der Typ ist "durch". In der Pause betritt er die Bühne, das ist ok, man kennt ihn hier schon. Er versucht uns klarzumachen, dass irgendwo, da wo er immer unter irgendeinem Baum auf einer Bank im Prenzlauer Berg sitzt Party geht. Mit Rock n' Roll, richtiger Gitarrenmucke, geiler Scheiß. Wir sollen alle vorbeischauen. Schon klar Tarzan. Als dann Jakob Hein seinen Platz 1 der ekligsten Essenserfahrungen vorstellen will, steht Tarzan auf. Tarzan schafft es ohne Scheinwerfer absolut im Rampenlicht zu stehen, indem er sich in hohem Bogen übergibt. Und das bei einem Text über den Verzehr von chinesischen Babyschildkröten. War das einstudiert? Tarzan wird auf jeden Fall höflich zur Tür geleitet. Was der wohl gerade macht, der Tarzan...
Das "Tacheles" könnte eigentlich ganz cool sein. Der "Geheimtip" leidet aber daran in jedem Berlin Reiseführer als "Geheimtip" zu stehen. Deshalb: überall Touris. Was mich dennoch fasziniert, neben der Kulisse, ist der DJ im Club Studio 54 dort. Der kifft. Ein rießen Ding. Der ganze Raum riecht danach. Mich fasziniert nicht die Menge an Gras, aber mich fasziniert diese....naja, wie soll ich sagen...Ungeniertheit, diese Freiheit mit der er dies macht. Ja, so unbesorgt könnt ich nie...also ja, auf jeden Fall was, das man in Stuttgart nicht findet.
Ach und das Paradies habe ich dann schließlich auch noch gefunden. Mitten in Berlin! Oh ja, das Paradies liegt am Rosenthaler Platz. Ganz ohne Engel. Die Weinerei. Hier geht man hin, zahlt 2€, bekommt ein Glas und schenkt sich am Tresen einen von den verschiedenen Weinsorten ein. Und wieder. Und wieder. Beim hinausgehen bezahlt man, was man will. Essen gibt es auch. Die Austattung umhüllt diesen Genuss und bettet ihn in bequemen Stoff. Alte Sessel und Sofas, alte Lampen. Junge Leute. Vor meinem Auge sehe ich meinen Niedergang, wenn ich jemals in der Nähe des Rosenthaler Platzes wohnen würde. Und überhaupt. Jesus würde an seinem eigenen Blut ersaufen, wöllte er für die Sünden dieser Stadt sterben. Das ist das geile an dieser Stadt, das ist die Doppelweltigkeit dieser Stadt. Oben, unten, hell, dunkel, weiß und schwarz. Tugend, Laster. Laster. Ja, wie ich mich freue auf die Zeit, die Zeit, die kommt. Kann ich doch kaum bestimmen, wie ich wachsen werde, so kann ich mir doch den Boden aussuchen, in dem ich das tue. Ich bin optimistisch....

Mittwoch, 5. August 2009

Väter vergebens.

Man kann versuchen den Keim der Jugend in Beton zu fassen, ihn im starren Fundament der eigenen Prinzipien zu versenken. Doch der Keim schlägt Wurzeln und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Baum mit seinen Ausläufen die Straße sprengt, eine Frage der Zeit und der Saat. Denn mancher wird ein Baum, so oder so, nährt er sich in jedem Boden.

Dylan.

Der wichtigste Freund kann uns nur ein Musiker sein. Eine solche Existenz, durch bloße Stimme ist einmalig. Wir können so allein mit ihm sein und sind es ja doch nicht. Begleiter, stillt durstigen, aufgewühlten Geist, streicht uns Gänsehaut auf den Arm, malt uns ein Lächeln um die Backen und ringt uns Tränen ab. So viel hat man zusammen erlebt und ist so intim dabei geworden wie noch mit keinem Menschen. Alles weiß er auf wundersame Weise und man braucht es ihm nicht mal zu sagen. Beichte.

Mein Firnament.

Sehnsüchtig das Bett suchend lief ich nach Hause. Aber am Himmel, was war das für ein Mond dort oben. Er erleuchtete alle Wege, überstrahlte, mächtig am dunklen Horizont hängend, alle Stern, die es dort sonst noch gab. Dieser Mond wollt ich sein, heller als alles andere, die Welt ausgeleuchtet haben, andere im eigenen Licht verblassen lassen, dieser Mond wollt ich sein. Nein keine Sonne, am Tage kann jeder scheinen, in der Nacht zeigt sich wahrer Schein, Größe, Mächtigkeit und Ausmaß. Aber zunächst schlafen. Schlafen, träumen vielleicht.

Montag, 27. Juli 2009

Tauch' ein Herz in schwarz.

Das Blut, das durch meine Adern floss war ebenso schwarz wie die Nacht, die meine Seele umgab. Das kalte, scharfe Messer legte sich über ihre Gestalt, wie ein dunkles Tuch, das zum letzten Schlafe bettet. Das Messer, das einen Mord beging, schärft es die Sinne doch ungemein und reizt sie bis zur Sünde.

Freitag, 24. Juli 2009

Familie.

Im Haus der Famile Byrnbaum war vieles normal, manches nicht. Normal war, dass der Vater, ein tüchtiger Anwalt, wenn er des Abends zur Haustür hereinkam von seiner Tochter einen Kuss auf die Wange empfing. Sie war sein jüngstes Kind, obschon auch sie nun schon kein Kind mehr war. Bildhübsch, ein junges Mädchen, eine Knospe, der man Tag um Tag beim Erblühen zuschauen konnte. Sie nahm ihrem Vater Hut und Aktekoffer ab und führte ihn in die Küche, wo ihr älterer Bruder schon gierig hinter dampfenden Töpfen saß. <<>>, so eröffnete er jeden Abend das Gespräch mit dem Vater. Sie verstanden sich gut, alle drei. Plauderten und ließen dabei oft sogar das Essen kalt werden. Bilderbuchszenen waren das, wäre da nicht der leere Stuhl am Tisch gewesen, der dort hässlich herumstand, wie eine Narbe in dem sonst so schönen Gesicht. Normal war das also doch nicht, dieses Familienleben. Normal war es auch nicht, dass der Sohn seit geraumer Zeit nach dem Abendessen in den Keller ging, sich dort einschloss und manchmal bis spät in die Nacht hämmerte und sägte. Keiner durfte wissen, was er da tat, keiner ihn stören, er verschwieg es peinlichst.
Aber eines Abends spielte die Tochter gerade mit der Katze, das Knäuel aus schwarzer Wolle rollte bei dieser Umhertoberei die Stufen zum Keller hinab. Sie folgte dem dünnen, schwarzen Pfad die steinigen Stufen hinab. Unten angekommen konnte sie nicht an sich halten, brach das Versprechen, dass sie dem Bruder gegeben hatte und schlich sich ans Schlüsselloch der messingbeschlagenen Kellertür. Sie lugte hindurch, aber was sie sah verstörte sie aufs Gröbste. Ihr Bruder hatte einen Sarg gezimmert, einen wirklich schönen, edlen Sarg, abgeschliffen und poliert. Einen Sarg, für was? Wozu? Sie beschloss, das mit dem Vater zu bereden. Doch da sie sich umdrehen und die Kellertreppe hinaufgehen wollte, schlug der Bruder von innen die Kellertüre wissentlich auf. Gegen ihre Stirn. Sie fiel sofort zu Boden und war bewusstlos. <> Und so zog er die Schwester in den Keller und schließlich in den Sarg, schlug Nagel für Nagel mit wütendem Gesicht ins dunkle Holz und ließ sein Werk still in die Erde im Fundament des Gebäudes hinab. So wuchsen dem Hause Byrnbaum hässliche Wurzeln und so sind wohl viele Bäume voll von Maden, mögen sie noch so schöne Früchte tragen. Völlig normal ist das.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Balkon.

Der Kerzenschatten der Weinflasche zitterte an der heruntergelassenen Jalousie. Über mich hinweg zogen dunkle, große Wolken, diese Giganten des Himmels, gerade noch sichtbar. Ohne die Sonne verschwinden aber auch sie.
Ich tat nichts. Mit Absicht und aus gutem Grund. Der wahre Fluch unserer Zeit, das ist von jedem Gedanken, der mal unter der Oberfläche kratzen könnte, abgelenkt zu werden. So findet niemand zueinander und keiner zu sich selbst, weil wir das wahre Leben bei MTV vermuten und, ziehen wir den Vergleich, in Unzufriedenheit baden. So denken wir, wir seien nichts und wissen dabei doch nicht mal wer wir sind.
Schau ich die nächste Hauswand an, dann steht da hinter jedem zweiten Fenster ein Bildschirm. So flüchtet die Krone der Schöpfung Tag für Tag, immer aufs Neue, vor sich selbst, bastelt Kokons, kauft sich Masken, nur um nicht das zu sein, was man ist.

Montag, 20. Juli 2009

Nein.

Sie sagte einfach Nein. Nein, so wie ein "Nein Danke!", wenn man in der Fußgängerzone einen Flyer angeboten bekommt. Nein, sagte sie und schaute mir dabei in die Augen. Es roch nach ausgepusteten Kerzen, mein Kaugummi schmeckte nach kaltem Wachs und ich bemerkte wie meine Füße vom taubenetzten Gras klamm wurden.
Und dann ging sie irgendwann, mein Traum, der vor meinen Augen dem Monduntergang entgegenschritt. Ich legte mich in das nasse Gras. Das Prinzip Liebe, ich wälzte mich und striff es dabei ab. Dieses Nein, das wie ein schwarzer Pfeil in mein Herz geschossen kam, es aufplatzen ließ und nun rann die einst warme Flüssigkeit darin heraus, erkaltete, erstarrte und mein Herz glich einem Klumpen. Man sollte nicht in den Fluss springen, wenn man nicht gegen die Strömung schwimmen kann.

Freitag, 17. Juli 2009

Dorian Gray.

Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.
Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.
Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.
Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.
Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.
Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.
Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.
Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.
Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.
Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.
Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray. Dorian Gray.






Donnerstag, 16. Juli 2009

Vielleicht die falsche Inspiration.

Die prall gefüllte Blase eines Betrunkenen mit mir rumtragend, schleppte ich mich durch die Gassen, auf dem Weg nach Hause. Doch dann traf es sich, dass ich es, direkt vor der großen Stadtkirche stehend, einfach nicht mehr zurückhalten konnte und ja so tat ich es. Unmoralisch? Verworfen? Pah, warum denn? Wer der Ausschweifung dient, der braucht keinen Gott und eine Kirche ist auch nur ein Gebäude, nicht von Gott, sondern von ganz normalen Menschen erbaut. Sie kann nicht heilig sein und wenn irgendetwas am Christentum heilig ist, dann ja wohl nur der Glaube des Einzelnen selbst. Den ich nicht besitze. Und wer an nichts glaubt dem tun sich tausend Wege auf, die ihm vorher verschlossen waren. Ja, dem wachsen erst Flügel. Und selbst wenn er dann den Glauben wieder finden sollte, so ist dies dann eine viel höhere Sphäre, eine ganz andere Tiefe, die derjenige findet, der sich frei von allem bewegen durfte, einen Weg wählte und nicht auf ihm abgesetzt wurde.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Paarung.

Ihr Äußeres musste für viele wohl als durchschnittlich gelten. Ihr Zauber aber lag hinter dieser Ebene. Denn in ihrer Brust trug sie den Keim des Geheimnises, eine Kammer, tausend Schlösser, faszinierend und unerreichbar zugleich. Wen dieses Geheimnis umschweift, dem überstrahlt ein Mal, welches ihn für die wenigen mit der Kammer im Innern sichtbar macht.
Und ihr Kuss fühlte sich wie ein Sandsturm in meinem Bauch an. Warm und die einzelnen Körner schienen mich zu kitzeln.

Samstag, 11. Juli 2009

Fiesta San Fermin.

Stierkampf in Spanien, hach wie wundervoll. Im Ernst, in dieser Hinsicht hasse ich die Tierschützer. Wen interessieren schon ein paar Stiere, da gibt es eindeutig Wichtigeres im Bereich des Artenschutzes um das man sich kümmern sollte. Energieverschwendung. Auf jeden Fall nehme ich Platz auf meinem kleinen Sitz in der Tribüne und sperr die Augen auf. Ein schwarzer Stier, Hörner, die das Unglück in die Luft reißen, er schnauft, die Luft unter seinen Hufen flimmert vor Hitze und heißer Wut. Der Stier ist verwundet, eine lebendige Gefahr, groß und mächtig. Der Torero aber wirkt nicht bedroht, obwohl er es ist. Der Stier stürmt los. Doch der Torero hat ihn schon längst im Auge, schätzt ihn ein, berechnet und...lässt ihn an sich vorbei brausen. Das Geschick dieses Mannes ist unglaublich, Stier und Torero schmiegen sich aneinander, ohne sich zu berühren, das ist Tanz, der Tanz eines Libespaares, das ist Kunst. Wie er ausweicht, die Gefahr ins Leere laufen lässt, köstlich dieses Schauspiel. Und immer wieder läuft der Stier ins Leere. Bis er nicht mehr kann, bis er von alleine aufhört. Sieg. Ich stehe ganz und gar auf der Seite des Toreros.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Es ist (eigentlich) genug für alle da.

Es war Tante Ediths 60. Geburtstag. Man feierte im Hirsch. Das war kein besonderes Restaurant, aber auch keine Kneipe. Es war eines von denen Restaurants, wo eben Familienanlässe gefeiert wurden. Es war schon etwas später, die dicken Bäuche der alten Männer drückten gegen Gürtel und Hemd, die ersten gingen. Das eine oder andere Gesicht war schon etwas röter als sonst. Passiert war nicht viel, das Highlight war das Essen gewesen, weswegen man wohl auch größtenteils gekommen war. Der Raum wurde durch bunte Lichterketten beleuchtet, grüne, blaue, gelbe und rote Glühbirnen himmelten einen also von oben an. Ich war müde, müde vom Essen, vom small-talk mit den Verwandten und vom Rauch der Zigarillos, die man sich jetzt gönnte. Da setzte sich mein Onkel Heiko neben mich. Heiko war 38 Jahre alt. Ich unterhielt mich eine Weile mit ihm. Er wollte wissen, ob ich dies und das noch zocke und war entzückt, als er erfuhr, dass ich noch ein aktiver Terroristenvernichter war, von Zeit zu Zeit und natürlich nur virtuell. Er wollte unbedingt mal gegen mich spielen und ich versprach ihm das, was ihn schienbar sehr glücklich machte. Ob er denn immer noch keine gefunden hätte, wollte ich dann wissen, weil mir das Gelaber über PC-Spiele zum Hals raushing. Nein, natürlich niemand, warum fragte ich überhaupt noch. Immer noch niemand. Heiko war Kettenraucher, schmächtig, aber nicht hässlich. Außerdem nicht arm. Er war eigentlich frei jede Frau anzusprechen und zu fragen, ob sie mit ihm essen gehen wolle, aber er tat es nicht. Er saß in seiner Wohnung vor dem Bildschirm, er aß, schlief, arbeitete. Ab und zu wusch er Wäsche, oder besuchte seine Mutter. Alle paar Wochen ging er mit ein paar Freunden von der Arbeit essen. Warum dies alles? Warum sucht sich ein Mensch, Single, vermögend so ein Leben aus. Warum baut er sich selbst diese Barrikaden, indem er sich vor Menschen fürchtet, seitdem, ja seitdem seine Ex Schluss gemacht hat. Woher diese Kastration? Warum schmeißen die Menschen alles weg, was ihnen geboten wird, nur damit sie im Endeffekt das Leben ausschließlich noch über das Fernsehen erleben wollen? Wie sein Geist um seinen eigenen Kopf herumschlich. Und der verbot ihm hier oder da langzugehen. Frei sein, das heißt wohl sich selber nicht mehr im Weg stehen, das heißt wohl Überwindung, in erster Linie Selbstüberwindung. Denn sonst kann man einem Menschen das Gold auf Porzellan servieren, er wird doch bei der Scheiße bleiben, die er tagtäglich frisst. Natürlich ist das Leben oft ein stinkendes Moloch, natürlich kann man auf die Fresse fallen, aber verdammt nochmal, da suhl ich mich lieber im Dreck und bin glücklich dabei, als dass ich mit Gummistiefeln und im Regenmantel ängstlich davorstehe und mich nicht reintraue, wie ein Kind am Schwimmerbecken, wie ein Vogel, der das Fliegen aufgibt, weil ihm die Statistik gesagt hat, dass pro Jahr so und so viel Vögel beim Fliegen ums Leben gekommen sind. Abstürze, Zusammenstöße, Aussetzer, na und?

Das hätte ich ihm sagen sollen, genau das. Und doch habe ich es nicht getan. Vielleicht hätte er genau so etwas gebraucht, irgendjemanden, der ihm genau das mal ins Gesicht sagt. Aber ich habe es nicht getan. Ich habe es nicht getan. Es war schon spät. Bald darauf ging ich.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Loki.

Tag für Tag grasten die Schafe auf der Weide. Es waren wirklich schöne Schafe, womöglich die schönsten Schafe, die die Erde je gesehen hatte. Aber unter all den Schafen war Loki das schlauste, schönste und einzigartigste Schaf. Ein kohlschwarzes Gesicht und weiße Wolle, die sich wie Wolkenschlösser auf seinem prächtigen Körper türmten. Und so weiß, wie seine Wolle war, so weise war auch sein Geist. Er kannte als einziger alle Namen eines jeden Schafes der Herde und er war es auch, der mit den Schäferhunden verhandelte. So hatten also alle Respekt vor Loki, das wusste er selbst und wenn er über die Wiese stolzierte, so umgab ihn eine ganz eigene Aura, etwas, das sonst kein Schaf besaß, eine Art Mal, das permanent über ihm schwebte. Er war etwas besonderes.
Aber gerade das, hach, wie könnte es anders sein, war sein Fluch. Er hatte niemanden, der seine Gedanken teilte, niemanden, der ihm ähnlich war. Verzweifelt belästigte er also die anderen Schafe mit dem was ihm im Kopf rumging. So gabe es Tage, an denen Loki umherlief und jedes Schaf, dass ihm in den Weg kam fragte, ob es denn ausser Gras fressen, schlafen und Paarung nichts weiter wünsche? "Was sollte man sich denn noch wünschen?", bekam er dann meist als Antwort und sein Gegenüber verdrehte fragend die Augen. Nachts lag Loki lange alleine wach. Wer sich ein Mal vom blosen, tagtäglichen Grasfressen löst, der findet nicht mehr zurück, der gibt sich auf eine weite Reise an deren Ende es vielleicht gar kein Ziel gibt. Loki wusste das. Aber er konnte nicht mehr Gras fressen, nein, sein Leben lang nur Gras fressen würde ihn aushölen und aufblähen, bis er platzen würde. Er musste fort und etwas anderes als Gras finden, das Schlimme war nur, dass er nicht wusste, ob es etwas besseres als Gras fressen überhaupt gab. Nachher hatten alle anderen Recht, nur er war irgendwie auf eine schiefe Bahn geraten. Denn wenn es wirklich nur das schnöde Gras gab und sonst nichts, was einem auf angenehme Weise die Zeit auf diesem Planeten nehmen könnte, dann konnte er sich auch gleich an das Tor des Schlachthauses stellen. Aber dann würde er wenigstens wissen wo er hingehört.

Dienstag, 7. Juli 2009

Ich hab' zu viel Zeit.

"Love is not a victory march, it's a cold and it's a broken Hallelujah!"

Wie kann das sein, dass eine spezielle Kombination aus bestimmten Worten etwas ergibt, dass uns so tief berühren kann, obwohl wir den Sinn dieses Konstruktes nicht mal voll verstehen? Wie kann das sein?
Das ist wahre Sprache, das Vermögen etwas auszudrücken, was nur noch unsere Seele und nicht mehr unser Verstand begreift.

Montag, 6. Juli 2009

Hallo und Tschüss.

Nennt es wie ihr wollt. Ein Vogel, der sich aus seiner Eierschale kämpft, ein Vogel der fliegen lernt oder die schwule Möwe Jonathan, die schon immer höher fliegen wollte als alle anderen Möwen. Fernweh. Weil Jeder der mal groß war groß geworden ist durch das Weiterziehen. Egal ob man mit einer Gitarre durch den amerikanischen Süden gezogen ist oder der Meinung war, dass man eine Welt immer wieder zerstören muss, um neu geboren, um wieder durstig zu werden, sie predigen Veränderung. Meine Seele scheint konvertiert zu sein. Und jetzt bin ich schon so wie ich bin und dann muss man seinen Weg jetzt einfach durchziehen. Reisen, bis ich mein ganz eigenes zu Hause bin. Bis ich da in meiner Brust zu Hause bin, angekommen bin. Prost, Neujahr!

Donnerstag, 2. Juli 2009

7./8.8.09

Ausserhalb von Kleinheppach gibts eigentlich nur einen Ort an dem ich mir vorstellen könnte glücklich zu werden. Berlin xD
Warum? Ich weiß es nicht, ich denke wegen den Menschen dort und ich hoffe, dass ich mir da keine falschen Vorstellungen mach.
Im August wird wieder Blut geleckt. Berlin Festival. Pete Doherty, pleeeeas don't be too stoned, I swear I also won't! Eigene Wohnung, Freundin im Gepäck, mein Berlin um mich herum, bisschen Alkohol atmen, bisschen vorkosten und wieder heim. Vielleicht das letzte mal bevor ich dort bleibe...bleibe...bleibe...peace xD

Deichkind Peter Doherty Bonaparte

Montag, 29. Juni 2009

Perpetuum stabilis.

Es müsste eigentlich Nacht und damit dunkel sein, doch der Himmel schummert leise über mir, als ich durch die Straßen spaziere. Der falsche Schein der Laternen, der Autos und der Wohnhäuser lügt den Tag ans Himmelzelt und schämt sich noch nicht mal dafür. Ums Eck kommt ein Punk. Einer von den klischeehaften. Bestimmt noch unter 20, präsentiert er den blonden Iro stolz als Kopfschmuck, seine Ketten an der schwarzen Hose, klimpern. Seine Ohren zittern unter der Folter der lauten Musik. Wie das halt so ist, mit den Punks. Und wenn der jetzt auf einen Klischee Mercedes Fahrer, Ende 50, trifft, dann werden sich die zwei wohl anbrüllen. "Geh mal arbeiten!", von rechts. "Geh du doch mal saufen!", von links. Ein bisschen hin und hergemucke und beide gehen ihres Weges, zufrieden, da sich ihr Bild von der Gesellschaft aufs neue bestätigt hat. Die brauchen das beide, so ab und zu mal.
Später dann beim Bankgebäude Graffitis auf der Wand. "Es war nicht alles schlecht im Kapitalismus!", steht da unter anderem und das ist noch einer der geistreichsten Sprüche dort. Wahrscheinlich war es auch noch ein Bankkaufmann, der dort tagsüber arbeitet und die Spraydosen von seinem Gehalt bezahlt hat, der das dort hingesprüht hat. Es geht ja auch nicht darum die Banken im Land irgendwann mal in die Knie zu zwingen. Um Gottes Willen. Es geht nur darum, dass man Leute braucht, die in der Bank arbeiten und das große Geld machen und dann brauch man solche, die Graffitis sprayen. Das ganze läuft auf kein Ziel hinaus, es bestätigt nur beide Seiten in ihrer Existenz, festigt ihren Platz. Nichts bewegt sich. Alles Routine, kommt immer wieder, muss so sein, alle lachen drüber, reden drüber, reden immer das gleiche, tun immer das gleiche. Bewirken nichts.

Samstag, 20. Juni 2009

Got my head on a pillow like a golden, sleepy stone.

Es ist 12.15Uhr am morgen. Ich erhebe mich aus meinem Kokon, in dem ich so wunderschön geträumt habe. Träume, die man nicht erzählen kann, da sie nur ein Gefühl und kaum Handlung hinterlassen und wach nie so schön sind wie im Schlaf.
Ich lass die Nadel sachte auf "Songs of Leonard Cohen" aufsetzen und gehe in die Küche. Croissant, Marmelade, Hohes C Saft. Draussen scheint die Sonne, obwohl der Wetterbericht was anderes vorausgesagt hatte. Alles ist schön. Alles ist schön :)

Sonntag, 14. Juni 2009

Rolf.

Rolf ist Busfahrer. Busfahrer aus Prinzip, weil er hat seine Prinzipien, so ist das. Mit Rolf. Rolf fährt mich außerdem ab und an nachts nach Hause. Nicht aus Nächstenliebe oder so, nein! Rolf macht in letzter Zeit oft die Nachtschicht und fährt Nachtbus. Das ist sehr mutig von ihm, so einen Bus mit Betrunkenen zu fahren. Schließlich hat er ja Prinzipien und Betrunkene haben die meistens nicht. Betrunkene haben einfach nur Spaß, Rolf mag Spaß eher nicht so. Eigentlich passt das ja nicht zusammen, aber vielleicht fährt Rolf ja nur den Nachtbus, weil er weiß, dass es da drunter und drüber geht, ohne Ordnung, ohne ihn und das fordert ihn scheinbar irgendwie heraus. Im Nachtbus ist er jemand. "Heute Nacht greif ich wieder hart durch bei den Besoffskis!", denkt sich Rolf wohl und fährt deshalb den Nachtbus um 4 Uhr.
Döner essen im Bus geht bei Rolf gar nicht, Vorschrift. Deshalb weisst Rolf den jungen Mann schon beim Einsteigen darauf hin, dass er seinen Döner, den er da in der Hand hat wohl besser in der Alufolie lässt. "Jaja Rolf." Dann passt ja alles. Aber als es hinten im Bus zu knistern anfängt läuten bei Rolf die Alarmglocken. Er hält am Straßenrand, springt auf und stürmt nach hinten. Den Zeigefinger bedrohlich in der rechten Hand. Geladen und entsichert. "Im Bus wird der Döner net gesse hab I gsagt, verschdande? No oimal und du bisch hier schneller raus, als de glotze kannsch, verschdande?". "Ja Rolf, schon ok. Kein Problem Kollege". Rolf marschiert zurück und man kann ihn innerlich sich freuen und grinsen spüren. Eine Haltestelle weiter knistert es wieder. Rolf sieht rot. Der gleichen Route folgend geht's wieder ab nach hinten, gleichzeitig geht die mittlere Tür auf. "Kein Döner hab I gsagt und für dich isch hier jetzt Ende!" "Hey jetzt Rolf komm schon, s' tut mir echt leid, ich tu ihn jetzt weg und schwöööör, ganz ehrlich, ich schwööööööööör ich ess nich mehr weiter." Das ist Rolf aber eigentlich zu wenig. Rolf kann dich rausschmeißen, warum? Weil er's eben kann, weil er in diesem Moment Busfahrer in Uniform ist und er sucht nur nach nem Grund dazu. Keiner weiß wie, aber der Dönermann hinten im Bus schaffte es dann doch Rolf davon zu überzeugen, dass er jetzt besser nicht in Fellbach aussteigt, weil er ja nach Waiblingen muss und es 4 Uhr ist und ja, er packt den Döner endgültig weg und überhaupt, es tut ihm wirklich seeehr, seeehr Leid. Rolf erklärt sich einverstanden, weil er sieht wie klein der Mann mit dem Döner jetzt vor ihm wird, obwohl Rolf sonst eigentlich nicht der Größte ist.

Rolf hat Prinzipien und Rolf hat sein Reich - der Bus. Rolf verteidigt das und das finden bestimmt viele in Ordnung. Adolf war auch ein Fan von Prinzipien, hatte eine Vorstellung von Recht und Ordnung und wie wichtig das ist. Wo kommen wir auch hin, wenn es sowas nicht mehr gäbe? Scheiß Punks. Ja sowas war damals ganz wichtig und Rolf wäre da gut aufgehoben gewesen. Aber dem Rolf bleibt leider nichts übrig, als nur den Nachtbus zu fahren und wenn er wieder jemanden wegen einem Döner rausschmeißt, denkt er sich bestimmt, dass er ja eigentlich auch keinen kalten Döner essen würde, aber im Bus wird nunmal nicht gegessen. Das macht er jeden Abend klar, in aller Deutlichkeit, in aller Deutschlichkeit. Einen Rolf wird es immer geben.

Salome.

Ein kalter Hauch, der zwischen ihren schiefen Beinen hindurchweht. Schwarzes Nachthemd, auf und ab. Zehn Zehen auf kaltem Steinboden. Jeder Schritt wie eine Hand, die sanft tote Wangen streichelt. Ich bin der Regen, der ihr zu Füßen fällt, ihr die Schultern küsst, über ihren Körper wandert, Pore für Pore vorbeifließt. Schwarze, feucht schimmernde Haare, ein Moor in Mondesnacht greift um ihren Hals. Ich verwisch das bisschen Tod an ihren Augenrändern, die diesen einen Blick umschließen, der sich durch den Regen schneidet. Ich kann nicht anders, als an ihr immer und immer wieder herabzufließen und sie bekommt nicht mal Gänsehaut.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Höchstens 1/2 (ggf. 1) Tablette einnehmen.

Nein, Selbstzerstörung ist kein Laster. Selbstzerstörung ist eine der Genialitäten des Lebens, wenn man sie Hand in Hand mit der Erholung gehen lässt. Denn nur wer sich eine Nacht lang mit Bier, Whisky und Koffeintabletten an einen Tisch setzt und alles noch mal im Detail bespricht, was es so auf sich hat jetzt mit dem Leben und überhaupt, nur der kann dann auch so wunderbar schlafen wie sonst kaum ein anderer in diesem Moment. Außerdem habe ich mich noch nie so über einen Schluck Wasser gefreut.
Und eins und zwei und hoch und runter und vorwärts, Marsch! Stirn zum Himmel, Kopf gebeugt und dann lasst uns wandern! Einfach das Licht ausknipsen, wenn man sich verläuft.

Freitag, 5. Juni 2009

Lasst uns die Augen schließen und über das Meer fliegen. Vom Himmel herab stürzen, über Wellen preschen wie entfesselte Götterfunken. Unten die tote See, über uns das helle Reich. Herab, herab, bis uns eisige Wogen über die Brust streichen, bis uns kalter Reif das Herz küsst, uns nüchtern macht. Kälte macht nüchtern, auf das wir uns wieder in Wärme trunken machen werden. So fliegen wir hoch und runter und können nur nach oben weil wir unten waren und können nur nach unten, wiel wir oben waren und es ist gut so. Schwarz und Weiss muss eine Farbe sein. Und nur weil die Wellengruft unter uns gähnt empfinden wir die Chöre des Himmels als bezaubernd. Umfallen, aufstehen. Zerstören, erschaffen. Nur der Tod kann uns aus dem Schlaf des Lebens erwecken, nur der Tod vor Augen. Verlust bedeutet Platz für Neues, also lasset der Zersetzung freien Lauf. So fliegen wir dem Mond in der Nacht entgegen.

Sonntag, 24. Mai 2009

Medikation.

Ich ziehe, es glimmt. Ich trinke, nehme einen Schluck, es schwappt und schäumt. Mein Blick streift die Dächer, klebt fest an den wenigen, noch hellen Fenstern. Nach und nach gehen sie alle aus. In der ferne fährt die letzte S-Bahn ab, rattert, macht dumpfe Schläge, wenn sie die Narben, an denen zwei Schienenteile zusammengehalten werden, überrollt und verstummt aber schließlich. Kirchtürme mit ihren großen Uhren klirren zusammen, wie Eiszapfen, die man mit Gummihämmern aus Filz zerschlägt. Ich versuche einen großen Gedanken zu fassen, aber der größte Gedanke, der mir einfällt, ist, dass das an Nichts denken wohl der größte Gedanke überhaupt ist. Ich sedimentiere, meditiere, halte mir von innen die Pistole an die Stellen, wo es schmerzt. Ich drücke ab und mein Geist ist frei.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Talfest.

Meistens ist es kein Problem. Wenn ich von Menschen umgeben bin, wenn ich was tue, unterwegs bin, dann knüpfen alle ein Netz an mich. Sie tragen mich, fangen mich und haben mich und all mein Denken in ihrer Gewalt. Nur wenn ich alleine bin ist es schlimm. Wenn ich anfange nachzudenken löst sich jeder Knoten, den ich zu irgendjemandem geknüpft habe. Grobmaschig ist das Netz jetzt, da fällt viel hindurch und dann ist da irgendwann nichts mehr was mich targen kann, was mich auffängt. Da bin nur ich, nur ich bin da und wenn ich es mit mir alleine nicht schaffe, dann schaffe ich es auch mit sonst niemandem.

Sonntag, 17. Mai 2009

Ja.

Gerade ist einer der schönsten Momente meines Lebens und ich darf keinem sagen warum.

Ein Gedanke, wie ein gerader Korkenzieher.

...und einmal, da bin ich so weit gekommen und war doch wieder unter der Glocke, die mein Schreien schlingte und nach aussen stumm schlug, weil es auf der Welt auch die Welt und nicht nur dich und mich, nein, eben eine ganze Welt gab. Mit jedem Stolperstein und jeder Narbe auf meiner Haut. Und gar so viele unsichtbare Dinge, die zwischen uns stehen, oder sitzen, oder liegen...sind sie denn da? Zwischen Hier und Dort, zwischen zwei Wimpernschlägen, zwischen halbvollen und halbleeren Lippen mögen ein, zwei Welten liegen. Ich würde es mit ihnen aufnehmen, wenn ich nur wüsste, dass ich es auch wöllte.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Und ich zähle runter...

Auf der Suche nach Stille streife ich durchs hohe Gras, hinauf auf ein Plateau. Ich lass mich fallen. Der Himmel ist grau, die Ähren der blassbraunen Getreidefelder beugen sich dem trüben Wind, der von den Städten weht. Auf den Blütenköpfen der Blumen summen die fernen Geräusche der Autos. Ein Vogel lässt sich stumm auf einem Strommasten nieder, es singt aber der Mast. Er schaut nach oben zu seinem eisernen, großen Bruder, der dort oben, viel weiter oben, donnernd grollt.
Der Himmel aber weint still und heimlich Freudentränen, weil er in der Ferne die schließlich dunkle Nacht sehen kann, keine Laterne mehr da sie zu trüben, wie ein schwarzes Siegel auf ein viel zu langes Buch. Und nach und nach übertönt das Prasseln der Tropfen alles um mich herum. Wasser wäscht über die Straßen.

Dienstag, 12. Mai 2009

Auf der Blumenweide.

Im scharfen Wind kreuzen sich die Klingen des Baumes. Wenn er sie durchfliegt klingen Klaviertasten, hoch und schrill und werden Ton für Ton hinfortgetragen. Ich lehne am Stamm und es blitzt über mir, der Himmel leuchtet und es ist eigentlich Tag, aber um mich herum alles dunkel. Alles dunkel. Ich lache verkrampft und beiße mir mit dem Schneidezahn auf die Unterlippe bis ich blute. Und dann fall ich auf die Knie, höre das Klavier, schmecke mein Blut, spüre die Erde, ja die Erde, wie sie nach mir giert und sich verzehrt. Mein süßes Blut. Blitze, immer mehr Blitze klirren durch den Tag. Ich strauchel, stürze hinab, eine Sprosse vielleicht, aber nicht mehr. Bin am Boden und schau hinauf. Im Wipfel des Baumes versammeln sich die Arsenale um herabzustürzen, wenn der Wind sie pflückt, wenn der Blizt sie schlägt. Warum nicht sterben, sterben mit dem süßlichen Geschmack im Mund, sterben und von den Ameisen hinfortgetragen werden. Das Gras sticht, schwarzes Gras, von der Sonne verbrüht, verdorrt, zerbrannt und verdorben. Fast schwarz wie Kohlen ist mein Bett. Möge der Blitz mich treffen, möge der Blitz auch den Baum treffen und das Gras und die Ameisen und alles.

Sonntag, 10. Mai 2009

Zu weit.

Wir sind die Leiter wohl eine Sprosse zu weit nach oben geklettert. Nachdem wir alles in allen Bereichen perfektioniert haben, die Welt geformt, Gott gespielt haben, ist der Mensch der letzte, der eigentliche, der Urstörfaktor. Und man kann in solch einer Welt nicht leben und es hat noch niemand einen Ausweg angeboten. Ich warte.

Donnerstag, 7. Mai 2009

HOT HOT HOT!

Kennt ihr das Gefühl? Ihr lauft eine Straße entlang und hört Musik. Plötzlich kommt dieses Lied. Eine Gitarre zittert, wie ein Umspannungswerk und die Elektrizität strömt durch den Körper. Man hat das Gefühl man sei mit einem mal unbesiegbar, ein Held, ein Gott, eine Aura, die zuckt und brennend heiß flimmert umgibt einen. Unter den Füßen bilden sich Risse im Teer, kleine Inseln brechen aus der Straße heraus, beben, fliegen hoch. Die kontinuierlichen Trommelschläge der Musik, wie Kometen, die auf die Erde einstürzen. Schwarze Wolken reihen sich um die Sonne und wie bei einem Brennglas werden ihre Strahlen nun verstärkt, züngeln auf die Erde nieder und alles glüht auf einmal in gleißendem Licht. Man möchte jetzt nur noch den Boden unter den Füßen verlieren, schweben, davonfliegen. Kennt ihr das?

Montag, 4. Mai 2009

Früher hätte ich nicht Leonard Cohen gehört.

Ich finde Cool Up mittlerweile widerlich. Biermixgetränke, nein danke, nur Radler. Die Luft knistert auch nicht mehr, wenn man beim Altstadtfest die Erleninsel betritt, so wie das mal war, als Alkopops noch bezahlbar und Mädchen wie Quantenphysik waren...man wusste ein wenig über sie, aber alles in allem war das doch sehr mysteriös. Einen IPod konnte sich niemand leisten, auf Lunge rauchen konnte man auch noch nicht wirklich. Ich schon zwei mal nicht. Und doch war es schöner das Fliegen zu lernen, als nun alleine zu kreisen. Kennt jemand die Möwe Jonathan? Ja ich bin diese Möwe. Moos am Baum, leere Nester in der Krone, der Wind weht im Kreis, das Herz schlägt nach rechts und links und über allem thront ein Gedanke: Es ist Zeit zu gehen.

Sonntag, 3. Mai 2009

Schlimm.

Die Gesellschaft ist so rund geworden, man kann nirgends mehr anecken.

Donnerstag, 30. April 2009

Liebe.

Unsere Seelen teilen die gleichen Narben. Wenn sich unsere Hände berühren, einen Kreis bilden, schließen sie eine Sonne, so heiß, dass jede Träne darin zu Silber verglüht. Unsere Leben geraten auf die Umlaufbahn, umkreisen sie, wie eine Motte die Taschenlampe in größter Dunkelheit. Ein Erdbeben erschüttert unsere Brust und lässt uns sicherer stehen als je zuvor, nein, gibt uns gar erst etwas auf dem wir stehen können, wenn am Horizont die Erde gen Westen zieht und schließlich untergeht.

Dienstag, 28. April 2009

Schuld.

Ich danke Gott, nein nicht Gott, aber auf jeden Fall irgendjemandem, dass ich nicht zur Nachkriegsgeneration gehört habe, zu den 68ern. Ich wäre untergegangen. Ich hätte als junger Mensch in keiner Gesellschaft leben können, in der bald ein jeder ein Mörder war. Mit dieser allgegenwärtigen, vertuschten Schuld, mit dieser "hey, natürlich haben wir ein paar Millionen getötet, aber Kopf hoch, das Leben muss schließlich weitergehen" - Mentalität hätte ich nicht leben können, dieses stille, verborgene Grauen überall hätte mich erstickt.
Nun lebe ich heute. Und wie ist es heute? Sind wir ohne Schuld? Sind unsere Eltern, die Nachkriegsgeneration, ohne Schuld? Nein. Wir halten uns die Zwangsarbeiter auf fremden Kontinenten, lassen die stummen Massen dort sterben. Und ja es ist auch Mord einem Hungernden nichts zu essen zu geben, wenn man es eigentlich hätte. Somit müsste ich auch eigentlich heute ersticken. Aber wir haben das sehr geschickt gelöst, haben das Leid, das Elend, damit die Schuld verbannt. Daher kann ich nicht ersticken, wie so viele andere auch, kann mich nicht wehren, kann nicht kämpfen, weil wir auf schreckliche Weise so intelligent waren uns selbst auszutricksen. Haben uns in ein Licht gestellt und bedienen die Scheinwerfer.

Schwerter zu Zapfhähnen - oder: Geschichte wiederholt sich!

Mal wieder um die Häuser ziehen. Mal wieder heimkommen, wenn der Vermieter ins Geschäft fährt. Mal wieder etwas provokativ angezogen sein und auf dem Weg ein paar Mülltonnen umkicken, ein paar Anwohner auslachen, die aus ihren Fenstern schreien. Mal wieder laut singen und rauchen bis alle is. Mal wieder was an die Wände sprühen. Mal wieder von Bar zu Bar ziehen, in jeder auf durchgesessenen Sofas sitzen, Schlückchen Bier, nen' Kurzen. Herrengedeck. Rote Kerzen, rote Diskussionen. Jaja, alle Menschen sind gleich. Mal wieder diese Romantik der Unabhängigkeit und der Unverbrauchtheit spüren. Mal wieder denken, dass am nächsten Morgen nicht mehr die Sonne, sondern der Mond aufgeht und das nur wegen dieser Nacht. Das ganze mal wieder durchspielen. Eine Zukunft sehen, verschwommen zwar, aber doch da vorne irgendwo.

Sonntag, 26. April 2009

Ikarus, flieg!

Es beruhigt mich immer wieder den Eiswürfeln in meinem Glas beim schmelzen zuzuschauen. Zum Schluss liegen ein paar Splitter am Boden des Glases und versinken in einer Lösung aus einem leichten Rest Alkohol und Wasser. Ich schaue also in das Glas wie in einen Spiegel, gebrochen bin ich, ein Alkoholdunst umgibt mich und langsam schmelze ich auf dem Barhocker dahin und ich weiß ganz genau, dass wenn ich nicht bald gehe, dass ich dann ebenfalls auf dem Boden enden werden, verschwitzt und dahinsiechend. Saufen ist bestimmt nicht das Schlechteste was man auf dieser Welt machen kann, wenigstens schade ich damit niemandem.
Wer in dieser Welt permanent glücklich ist, der ist entweder gläubig, auf irgendetwas hängengeblieben oder im fehlt der Horizont sein eigenes Leben von außen zu betrachten. Da ich weder gläubig, noch ein Junkie bin und außerdem leider mal einen Schritt zu weit gedacht habe und dabei von der flachen Erde der Menschen hier, diese Scheibe, runtergefallen bin, deshalb krieche ich, wo andere durchs Leben gehen und fliege aber auch, ja. Ab und zu fliege ich und das könnt ihr nicht. Irgendwann schmelzen mir die Flügel zwar, wenn ich zu nah an der Sonne war, aber sie erstarren auch wieder und spannen sich von neuem und der Sonne komme ich immer näher dabei.

Ich bezahl die Rechnung, stehe auf und gehe.

Samstag, 25. April 2009

Es ist Revolution aber keiner geht hin.

Du sitzt am Tisch, hast die Vorspeise gerade vertilgt, jetzt kommt das Hauptgericht. Da liegt eigentlich viel auf den Tellern, das wert wäre verspeist zu werden, Iustitia serviert die bessere Zukunft, Utopia. Es duftet, doch du riechst es nicht mehr. Du rührst es nicht an, du warst vorher beim Burger King und du bist satt, so satt, man hat dich vollgestopft, bis du dich nicht mehr rühren kannst. Und überhaupt weißt du nicht mal mehr wie man Messer und Gabel bedient.

Im Schützengraben.

Mein Leben, nein, was sage ich, der Krieg, denn das ist hier kein Leben, dass ist der Krieg, ist zur Zeit 3 Meter tief. Die steilen Wände erlauben einen Blick durch die verschiedensten Erdschichten, nach unten immer dunkler und fester werdend, fast schon wie Lehm, den man mit Asche bestreut hat. Regenwürmer winden sich in dieser Narbe quer durch die Landschaft, abgehackte Wurzeln bluten hier aus. Man liegt hier mit einem Gewehr in den Händen für 4 Stunden Wache, oder eben wenns schief läuft für immer. Am Scheitel des Grabens Urinpfützen, Zigarettenstummel, ein Pik Ass aus einem Kartenspiel und der Keim für das Unkraut, welches ein Leben lang in meinem Kopf wuchert, wird hier gesät, von der grausamen Sonne am Himmel genährt. Das einzige, was hier zu einem Leben findet.


Montag, 8. September 2008

Massensuizid von US-Soldaten im Irak

Sechzehn US-Soldaten von der 57. Einheit der Airborn Division haben Selbstmord innerhalb ihrer Militärbasis im Irak vor 27 Tagen begangen, berichtet die Fars Nachrichtenagentur, die sich auf Sicherheitsquellen beruft.

Laut dieser Quelle, wurden 21 Soldaten im Spital behandelt, aber nur fünf überlebten in kritischen Zustand. Laut Sicherheitsoffiziellen benutzten sie starke Drogen um sich zu töten.

Das Motiv für den Massenselbstmord ist nicht bekannt, aber laut irakischen Quellen gehören die Soldaten zur 57. Einheit der US Airborn Division, welche für das Massaker von mehreren irakischen Familien, hauptsächlich Frauen und Kinder, im Norden Bagdads verantwortlich sind, sagte Ali al-Baghdadi, ein irakischer Sicherheitsbeamter.

Der Selbstmord fand im Schlafsaal der Soldaten nach dem Abendessen statt. „Die Körper der US-Soldaten haben sich so verformt, dass sie wie 5000 Jahre alte Mumien aussahen,“ erzählte ein Zeuge.

Laut Angaben von irakischen Beamten, wird die Anzahl US-Soldaten die sich seit der Invasion des Irak im Jahre 2003 umgebracht haben, auf 600 gezählt, einschliesslich höherer Offiziere. Die Hälfte der Selbstmordversuche waren erfolgreich. (presstv)

Stark steigende Selbstmordzahlen

Jeden Tag versuchen fünf US-Soldaten sich umzubringen. Vor dem Irakkrieg, war diese Zahl weniger als ein Suizidversuch pro Tag.

Die dramatische Steigerung wurde durch neue Zahlen des US-Militärs bekannt, welche zeigen, dass 2'100 Soldaten versucht haben sich im Jahre 2007 umzubringen.

Die Selbstmordversuche steigen kontinuierlich und sind in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen,“ sagte Oberst Elspeth Cameron-Ritchie, ein Armeepsychiater. (cnn)

Freitag, 24. April 2009

Bonaparte.

Ich war gestern auf einem Konzert. Es war toll, mal wieder eine andre Welt. Aber es ist doch so, über irgendwelche Gefühlsausbrüche bei Konzerten haben schon so viele Menschen ihren Senf dazu gegeben, es haben schon genug darüber geschrieben, wie sie gegen die Masse gekämpft haben, auf einmal nur noch die Masse waren, wie sie diesen Geruch von Schweiß und Alkohol vernommen haben und einem ja eigentlich übel werden müsste, man aber bei diesem Geruch nur noch geiler wird, dass man in dieser Atmosphäre dann Dinge tut, die man sonst nicht tun würde, sich auf einmal auszieht, klitschnass, wie man ist, all das....das wurde alles schon mal gesagt, deswegen finde ich es doof über Konzerte zu schreiben.

http://www.bruecken-festival.de/2008/images/bonaparte.jpg

Dienstag, 21. April 2009

Ansichten eines Clowns.

Habe mich dabei ertappt, wie ich das Profil eines Mädchens angeklickt habe, nur weil sie sich auf ihrem Profilbild mit so einer monströsen Indie-Brille abgelichtet hat, schlichtes Gestell, rießige Gläser. Das ist all das, was ich eigentlich verabscheue, all das. Aber das scheint wohl der Fluch des Menschen zu sein und damit bin ich gezwungen mitzumachen. Versteht ihr mich?

Mal etwas persönliches...

Sich eine Zigarette zu drehen ist wie eine Schallplatte hören oder etwa wie angeln. Es hat so etwas von einer Prozedur, etwas schier meditatives, man bereitet sich auf einen Genuss vor. Man wartet, verbraucht Zeit. Diese Zeit investiert man, sie ist keinesfalls verloren, diese Zeit ist Vorfreude, gehört zum Ganzen dazu. Und selbst wenn ich eine Schachtel am Automat kaufen könnte, selbst wenn ich MP3 hören könnte oder mir den Fisch beim Edeka im Kühlregal holen könnte, ich ziehe die zeitaufwendigere Methode vor, denn je schneller wir etwas bekommen desto weniger ist uns bewusst wie wertvoll das ist, was wir bekommen und umso weniger sind wir damit zufrieden, was wir bekommen.

Sonntag, 19. April 2009

Der Tod des Schokohasen Karl.

Vom Himmel fallen wir auf die Erde. Das Atmen, Sitzen, Laufen und später vielleicht das Denken, wir müssen uns das alles selbst beibringen, ich habe mir das alles selbst beigebracht und weiß nicht wie. Ich, ich, ich. Diese Welt gab mir nur mich selbst, so ist alles was ich ihr je geben kann, ich selbst. Und alles was ich hier nur werden kann ist ich, ich, ich. Werden und nicht Sein, bis mich schließlich der Himmel wieder aufnimmt, mich säubert und behutsam zurück in den Schrank stellt, bis ich irgendwann wieder gebraucht werde und von neuem heruntersteige, von neuem wie eine Nadel die Schallplatte entlangfahr. Bis die Musik aus ist. Bis sie aus ist, die Nadel stumpf gezeichnet.

Was man Gott fragen könnte...

Warum ist mein Leben nicht eine unendliche Szene aus einem Quentin Tarantino Film?

Warum kann ich mein Leben nicht mit Photoshop bearbeiten, mehr Kontrast, pralle Farben?

Warum muss ich 40 Jahre meines Lebens hergeben, nur damit ich überleben kann?

Was ist das Verwerfliche an Drogen?

Junge, was ist dein Problem mit Polygamie?

Warum denken wir, dass menschliches Leben heilig ist und treten es gleichzeitig mit Füßen?

Warum führen wir Menschen so selten wirklich gute Gespräche?

Und das wichtigste...warum setzt du mich eigentlich in eine Welt in der es mir unmöglich ist an dich zu glauben, wenn du doch derjenige warst, der sie erschaffen hat.

Samstag, 18. April 2009

Übertrieben? Vielleicht.

Auf diesem Boden wächst kein Gras mehr, niemals, dachte ich, als ich das Firmengelände betrat. Meine Schritte hinterließen nicht mal mehr den Hauch eines Abdruckes auf der ganz und gar vertrockneten, verkrusteten Erde. Ein nett dreinblickender Herr in einem eleganten schwarzen Anzug, der hier so gar nicht ins Bild passte, empfing mich und wollte mich zum Eingang geleiten. Wie kann man sich hier eigentlich wohlfühlen, wenn man nur einmal etwas um sich blickt, dachte ich. Die immense Fabrik ragte hoch in den Himmel, die Schornsteine waren drauf und dran den Himmel, der anderswo so schön blau strahlen konnte, hier aber vom Ruß grau und wolkenverhangen war, zu erstechen, auf das sich das ganze Gift, das hier in die Luft geblasen wurde in einem Aderlass schwarzen Rußes über das Gelände ergießen sollte. Weit und breit sah man keinen grünen Fleck, keinen Farbtupfer, es gab hier nur die Fabrik.
"Wenn sie mir bitte folgen würden", bemerkte der elegante Mann im Anzug mit einer Bewegung, die mich durch die schwere, monumental große Eisentür, die aus zwei vernieteten Flügeln bestand, geleiten sollte. Ich überquerte die Schwelle ins Nichts. Hatte es draussen wenigstens noch nach Schwefel, Kohlenmonoxid und etwas Benzin gerochen, so roch es hier drin nach gar nichts mehr. Überhaupt hatte in der rießigen Halle in der ich mich jetzt befand, so einiges aufgehört zu existieren.
"Kommen sie doch mit, ich zeige ihnen unsere Apparate". "Ja natürlich", antwortete ich. Aber was ich dann sehen musste, muss eigentlich einen jeden Menschen erschüttern, ihn, wie ein Schlag mitten in die Fresse, umhauen, ihm die Seele vergewaltigen...aber das tat es nicht, zumindest nicht bei mir. Ich war aus geschäftlichen Gründen hier, ich konnte mir das jetzt nicht leisten und überhaupt hatte ich schon zu viel gesehen. "Der Apparat" war ein Trichter, so ungefähr zwei auf zwei meter groß und nach unten schmäler werdend, bis er schließlich in einem Schacht endete, der dann eine Kurve nahm, immer dünner wurde und letztlich in eine ovale Öffnung mündete, die ungefähr die Größe eines Ei hatte. Oben fielen mehrere Menschen in den Trichter, am Ende des Apparates saß ein Einzelner und nuckelte an dem ovalen Mundstück. Der Führer im eleganten Anzug versicherte mir, dass als Futter nur Menschen der Handelsklasse 2 und 3 verwendet würden, Wilde und Unzivilsierte, Menschen, denen das vermeindliche Bewusstsein, welches wir besitzen, fehlt. Ob der Konsument, denn auch Pausen machen würde. Nein, der säße da nur Tag für Tag und werde fetter. Was das eigentlich für einen Sinn habe. Doch auf diese Frage antwortete der Mann im Anzug nur mit einer verstört dreinblickenden Fratze und bestürzt fragte er mich, was das denn für eine bescheuerte Frage sei.

Dienstag, 14. April 2009

Vorbei, Verloren, auf immer.

Ich denke ich war 8 Jahre alt. Ich erinnere mich weniger an die genauen Geschehnisse, als an das, was es in mir bewirkt hat, deshalb kann ich die Geshcichte auch nur grob und stilisiert, wie man ein Gleichniss, ein Märchen oder eine Parabel vielleicht erzählt, wiedergeben.
Es war ein Frühlingstag wie heute, doch schon so warm, dass man ihn eigentlich eher dem Sommer zurechnen muss. Eine geheimnisvolle Nachricht ging da um. Unten am Bach, in der Nähe von der kleinen Bank unter der Weide, wo auch der Schrein steht, dort soll eine Tüte liegen. Zwischen dem hohen Gras an den steilen, kurzen Hügeln, durch dessen Tal sich der Bach seinen Weg gefressen hat. Ein Obdachloser soll diese Tüte dort deponiert haben, ihr Inhalt: Alkohol. Ein Schatz. Ganz und gar nicht, weil ich gewusst hätte was damit anzufangen war, nein, das genaue Gegenteil war der Fall. Eben weil ich nicht wusste, was damit anzufangen war, oder was die Erwachsenen damit anzufangen pflegen, eben aus diesem Grunde war es ein Schatz. Also ging ich hin, hinunter zum Bach, an die Stelle bei dem Schrein am Wegesrand unter der großen Weide, nebst der Bank, auf der an solchen Tagen die Spazierer, Walker und Jogger Rast machten und verschnauften. Es war Abend, das Abendessen im Bauch lief ich auf den Schatz zu. Ängstlich war ich, nervös, es kribbelte in mir, ich wusste, dass ich etwas verlies. Ich wusste, dass ich nun einen Blick auf die Welt hinter der Welt, auf den Backstagebereich des Lebens werfen würde, auch wenn mir damals der Verstand fehlte um dieses so auszudrücken und zu begreifen. Ich schaute mich mehrmals um, dass mich auch ja keiner zu sehen vermochte, als ich dann schließlich auf Höhe der Bank angekommen den Hügel hinabstieg. Vorbei an dem schönen Marienschrein, der dort stand, geschmückt mit Blumen, die Vorbeigehende dort hingelegt hatten und mit einem goldenen, in der Abendsonne orange, schimmernden Dach. Ich ging daran vorbei und stieg hinab. Das hohe Gras teilte ich vor mir, wie einen Vorhang. Ich wusste ja nicht wo genau die Tüte läge und musste deshalb eine Weile suchen. Und da passierte es, dass ich auf einmal auf etwas festem, rundem ausrutschte und in den Bach fiel. Das Wasser war ja Gott sei Dank nicht tief, also berappelte ich mich wieder und schaute nach dem Auslöser meines unglücklichen Abstieges. Das war sie. Das war die Tüte, eine billige Plastiktüte, rot und grün, Werbeaufschriften darauf. Die Gänsehaut spielte Laola auf meinem Körper, es fror mich und gleichzeitig war mir heiß. Ich berührte die Tüte mit meiner Hand und sie knisterte, wie ein gefährliches Feuer. Ich glaubte mir die Finger zu verbrennen, auch wenn ich durch und durch nass war. Das Rauschen des Baches im Hintergrund verschwand nach und nach, bis es schließlich meine Ohren völlig mied. Diese Tüte barg in diesem Moment eines der Geheimnisse des Lebens in sich. Ich wollte es lüften und konnte es ja doch nicht, da mir der Verstand fehlte, öffnete sie trotzdem und holte eine Flasche nach der anderen heraus. War begeistert, der Welt entflohen. Ich fühlte mich wie ein Magier, der in einer geheimen Höhle die wundersamsten Zaubertränke gefunden hatte. Die Flüssigkeiten hatten Farben, die ich sonst nur selten gesehen hatte und wenn, dann nur aus Distanz. Ich hielt sie jetzt in den Händen. Eine Flasche glasklar, die andere ölig braun schimmernd, wieder eine grünlich leuchtend. Ich war wie bezaubert und beschloss bald wiederzukommen.
Als ich sie fein säuberlich zurückgelegt und die Tüte verstaut hatte, wirkte dieses Gefühl des Verbotenen in mir immer noch nach. Dass Adrenalin schwand nur langsam und das alles obwohl ich nicht einmal verstand um was es ging, ich wusste nur, dass es nichts für mich war. So stieg ich hinauf, zwischen Schrein und Tüte, zwischen Himmel und Hölle und wusste nicht mehr genau wohin ich eigentlich gehören wollte. Wenn das, das Böse war, so muss man so ehrlich sein und dieser Hälfte des Lebens die Magie zusprechen, welche die andere nicht im Stande war auszuüben und zu wirken.

Montag, 13. April 2009

Morgen früh werde ich es hassen, das weiß ich jetzt schon...

Freiheit wäre seine Gedanken frei aussprechen zu können.
Freiheit wäre außerdem ein Leben ohne jemanden der einen beurteilt.
Freiheit wäre den Körper hinter sich zu lassen.
Freiheit wäre ein Kampf.
Freiheit wäre Burger King um halb 2, völlig Tunnelblickmäßig und scheiße bloggend, Wishbone Ash hörend und überhaupt, was wollt ihr eigentlich hier!

Freitag, 10. April 2009

In Freiheit verendet, oder so ähnlich.

Nasses Kopfsteinpflaster klackert unter meinen Stiefeln. Die Wände der Fachwerkgebäude um mich herum bewegen sich, schwanken wie eine Schiffsschaukel. Ich laufe durch die Altstadt. Hartes Pflaster, enge Gassen. Es tropft von den Laternen mit ihren großen illuminierten, runden Köpfen, deren Licht diffus in die Nacht strahlt, vom Regen verwischt. Ich stütze mich an einer Wand ab, reibe mich an ihr, versuche sie wegzuschieben, zu durchbrechen. Ich kämpfe gegen sie und selbst wenn ich gegen sie verlieren werde mache ich weiter. Eine Wand aus dem 19. Jahrhundert, ich von heute, im Rausch.
Später auf meinem Weg nach Hause, die Altstadt habe ich schon lange verlassen, ich bin wieder nüchtern, da streife ich über ein weites Feld. Der große Spiegel am Himmel, den man auch gemeinhin Mond nennt, lässt die weitläufige, freie Landschaft in einem wunderbaren Licht erstrahlen. Weicher Boden, freie Sicht. Hier kann man alles tun, im Licht und niemand sieht einen. Ich stehe vor einer Kreuzung und habe die Wahl zwischen drei Wegen, unendlich viele Wege. Alle kann man wählen, alle führen irgendwo hin. Mir wäre es aber lieber mir meinen eigenen Pfad zu treten, durch die Erde zu wühlen, sie umzugraben und irgendwo auf halber Strecke liegen zu bleiben, aber zu wissen, dass ich was neues erschaffen habe, erschöpft und glücklich. Unmöglich, da alles nur eine schlechte Wiederholung ist, wie im Fernsehen.

Das wird jetzt wohl niemand verstanden haben, aber hey: I blog because it is cheaper than therapy you know? ;-)

Montag, 6. April 2009

Trockener Hals und Herzraßen.

Soll ich euch die Geschichte vom Menschen erzählen?

Der erste Mensch, der sein kann was er will.
Der erste Mensch, der alles ist.
Der erste Mensch, der zu viel weiß.
Der erste Mensch, der früher oder später zur Rolle wird.
Der erste Mensch, der immer nur Attrappe bleibt.
Der erste Mensch, der alles gewesene sein kann.
Der erste Mensch, der nichts anderes mehr sein wird.

Ein Mensch ohne Mauer, ohne Käfig, ein Gefangener seiner Freiheit.

Sonntag, 5. April 2009

Satt.

Studiert nur was auch ne' Lobby hat. Frauen haben ein "Schwangerschaftsproblem" und sind deswegen im Beruf benachteiligt. G8, Bachelor, Master, nimm das bisschen was von dir übrig ist und schneid ihm alle Glieder ab. Die Wirtschaft braucht mehr Ingenieure, aber der Mensch braucht eigentlich weniger Wirtschaft, wie verträgt sich das? Von Politik weiß niemand mehr irgendwas und niemand will auch irgendwas wissen.
Diese Welt hat aufgehört für uns zu existieren. Wir exisitieren nun für diese Welt. Ein Geschwür, das mit aller Macht am Leben gehalten werden muss.

Samstag, 4. April 2009

Horizontal Optimal.

Der Fernseher läuft noch, obwohl der Mann auf der Couch schon seit Langem eingeschlafen ist. Ein Laptop wird angeboten, zwei Handys, eine Spielekonsole und am besten gleich noch ein Haus, ein Urlaub, eine Familie und ein ganzes Leben dazu, für 29,95€ monatlich, 500 Spaßminuten inklusive. Der kleine Zettel am T-Shirtkragen des Mannes auf dem "made in china" steht hat sich schon so in den speckigen Nacken eingepresst, dass er einen spiegelverkehrten Abdruck hinterlassen hat. Auf dem Tisch vor ihm stehen viele Gläser, alle leer, kein Saft mehr da, der sie füllen könnte. Der Saft ist schon lange weg.

Freitag, 3. April 2009

Sonntag, 29. März 2009

Der Paradoxomat.

Der Automat war ungefähr so groß wie ein durchschnittlicher Kleiderschrank, den man im Schlafzimmer stehen hat. Er war massiv, aus kupferfarbigem Metall, das im schmierigen Licht der Grotte in der er stand matt schimmerte. Am Boden wuchsen Pilze an ihm hoch, grün, blau, lila und gepunktet. Von oben griff das Moos den Metallkoloss an und überwucherte in langsam. Dort oben thronte ein Clowngesicht auf dem Ungetüm. In seinem Innenren flackerte eine Glühbirne, wodurch sein überbreites Grinsen alle paar Sekunden erlosch, um schließlich wieder aufzuleuchten. Seine Nase glich einer unreifen Tomate, hellrot, manche Teile sogar hellgrün. Das orangene Haar glitt an den Seiten unter einem Hut, von dem die schwarze Farbe schon abbröckelte, hervor und wucherte nach rechts und links an die Seiten, wo es sich mit dem Moos schließlich verband und so schien es, als ob es den gesamten Automaten umspannte. Das Gesicht war totenbleich.
Unter dem Clownsgesicht, auf Augenhöhe war ein Schild angebracht. "21st Century" stand darauf. Darunter große Schalter, alle nikotingelb leuchtend. Es roch leicht nach Schwefel. Unter den Schaltern schien irgendwann einmal eine Flüssigkeit ausgelaufen zu sein, da sich dünne, dunkle Rinnsale ihren Weg von den Schaltern bis zum Boden gebahnt hatten und dabein eine ölige Spur hinterliesen. Die Schalter trugen die Aufschrift Sex, Unterhaltung, Zufriedenheit und Glück. Rechts davon war ein Schlitz, man konnte nur mit Geld bezahlen. Ich drückte den großen, runden An-Knopf, der Automat fing zu ruckeln, zischen und scheppern an. Eine Melodie erklang, ähnlich wie das Geklimper eines Eiswagens. Eine Stimme sagte "Verbessern sie ihr Leben, gönnen sie sich einen schönen Tag, überall, zu jeder Zeit mit den 21st Century-Automaten". Die Schalter blinkten jetzt wild, wie bei einem Spielautomaten in einer Kneipe. Der Clown spielte vollends verrückt, bis es irgendwann einen Schlag tat und die Glühbirne, die ihn erleuchtete vollends erlosch. Ich warf ein paar Münzen ein und drückte den "Glück-Schalter". Das Ungetüm rappelte, rauchte, etwas in seinem Inneren arbeitete schwer und schließlich fiel unten ein buntes Bonbon in den Schacht. Ich entfernte das Papier und hielt eine Art bunte Pille in der Hand, auf der mit goldenen Buchstaben "Glück" stand.
Diese Welt verspricht uns die Erfüllung unseres Lebens. Aber sie erreicht es indem sie uns wo es nur geht von sich selbst ablenkt, ist das nicht paradox, nein, ist das nicht sogar irgendwie grauenhaft? Der Sinn unseres Lebens besteht also darin dieser Welt zu entfliehen.

Freitag, 27. März 2009

Freiheit, Gleichheit...

7.30 Uhr und ich betrete die Bühne. Ich öffne die Tür. Kleine 5. Klässler rennen an mir vorbei, ihre Schritte, bum bum bum, wie ein schnell schlagendes Herz.Lehrer pendeln zwischen Sekretariat und Lehrerzimmer, observieren dabei das Geschehen. Schüler überall. Ich flüchte in das Klassenzimmer. Eine Stunde fliegt vorbei, Pausengong. Ich muss raus in den Gang. Am Rand sitzend liest einer den Fokus und fragt mich, ob ich ihn haben will. "Nein bloß nicht, den hab ich schon.", antworte ich. Ich laufe den Gang entlang, vorbei an den Räumen der unteren Klassen. Große Plakate hängen dort an einer Wand mit Zahlen von eins bis zehn, ein paar Schüler stehen davor und zeigen darauf, als ich vorbei laufe. Ob mein 3-Tage Bart auch wirklich 3 Tage lang und nicht 3 1/2 Tage lang ist, frage ich mich.
In der Bibliothek treffe ich einen Freund von mir. Warum ich nicht mehr blogge und wann es denn mal wieder neue Fotos von mir gäbe, fragt er mich. Ach und seit wann ich denn nicht mehr Indie wär, will er wissen. Jetzt fehlt ihm wohl die Schublade, denke ich. Vor der Glastür geschäftiges Treiben, Models auf dem Laufsteg, Voyeure, Photoshopper aber hauptsächlich: überall Stars. Und alle wollen sie gesehen werden. Alle sind sie in etwa gleich in ihrer Andersartigkeit.


Von oben herab in Sehnsucht und Abscheu.

Ich sitz' am Berg. Hexagometrische Gleichmäßigkeit fällt vom Himmel - so würde es Thomas Mann ausdrücken und dafür liebe ich ihn, für mehr aber auch nicht - und, da es langsam dunkelt, Stille sich über die weißen Weinreben legt, erhebe ich mich von meinem Lieblingsplatz, ein großer Stein von dem aus man einen wunderschönen Ausblick über das Dorf hat. Sommer wie Winter, ich komme gerne hier her, auch wenn der Stein unbequem ist. Es scheint fast, als ob er für jedermann, nur nicht für mich gemacht sei um darauf zu sitzen und glücklich zu sein. Aber ich tue mein bestes. Meine Schritte hört man kaum, der Feldweg, der sich wie eine weiße Python an den Berg schmiegt, ist gänzlich zugeschneit.
Wenn ich auf das Dorf im Tal blicke, so sehe ich die vielen, hellen Fenster der einfach gebauten Einfamilien- und Reihenhäuser. Es ist mehr als nur Licht. Aus diesen Fenstern tritt Wärme, Geborgenheit, Reinheit und ja, auch Liebe. Es ist bürgerliches Licht, dass da aus all den vielen hochkantigen Rechtecken der Dorfhäuser scheint, ein Licht, welches seine Kraft aus der Alltäglichkeit, aus der Routine bezieht. Ein Licht das „zu Hause“ zu dir sagt, wenn es dich trifft. Und dann frage ich mich, ob aus meinem Haus jemals so ein Licht scheinen wird. Ich frage mich, ob ich jemals ankomme. Ja ich frage mich, ob die Menschen, wenn ich einmal alt bin überhaupt noch in Häusern leben werden. Ihr hattet es alle so leicht und wisst das gar nicht, ihr Lichtgestalten dort unten. Wie soll ich heute ankommen, wenn ich nicht weiß, ob die Welt morgen noch dieselbe ist? Ich weiß ja nicht mal wo ich ankommen soll, geschweige denn wie.
In diesem Moment rutsche ich aus und falle hin. Der Boden ist unter dem samtigen Schnee verdammt vereist und hart. Der Schmerz wandert von meinem Becken in mein Gehirn. An das Umfallen und Aufstehen muss man sich schon gewöhnen, denke ich, stehe auf und laufe weiter zurück ins Dorf, wie ein Wildpferd, dass zahm zurück zu seiner Eselherde trottet.