Sonntag, 29. März 2009

Der Paradoxomat.

Der Automat war ungefähr so groß wie ein durchschnittlicher Kleiderschrank, den man im Schlafzimmer stehen hat. Er war massiv, aus kupferfarbigem Metall, das im schmierigen Licht der Grotte in der er stand matt schimmerte. Am Boden wuchsen Pilze an ihm hoch, grün, blau, lila und gepunktet. Von oben griff das Moos den Metallkoloss an und überwucherte in langsam. Dort oben thronte ein Clowngesicht auf dem Ungetüm. In seinem Innenren flackerte eine Glühbirne, wodurch sein überbreites Grinsen alle paar Sekunden erlosch, um schließlich wieder aufzuleuchten. Seine Nase glich einer unreifen Tomate, hellrot, manche Teile sogar hellgrün. Das orangene Haar glitt an den Seiten unter einem Hut, von dem die schwarze Farbe schon abbröckelte, hervor und wucherte nach rechts und links an die Seiten, wo es sich mit dem Moos schließlich verband und so schien es, als ob es den gesamten Automaten umspannte. Das Gesicht war totenbleich.
Unter dem Clownsgesicht, auf Augenhöhe war ein Schild angebracht. "21st Century" stand darauf. Darunter große Schalter, alle nikotingelb leuchtend. Es roch leicht nach Schwefel. Unter den Schaltern schien irgendwann einmal eine Flüssigkeit ausgelaufen zu sein, da sich dünne, dunkle Rinnsale ihren Weg von den Schaltern bis zum Boden gebahnt hatten und dabein eine ölige Spur hinterliesen. Die Schalter trugen die Aufschrift Sex, Unterhaltung, Zufriedenheit und Glück. Rechts davon war ein Schlitz, man konnte nur mit Geld bezahlen. Ich drückte den großen, runden An-Knopf, der Automat fing zu ruckeln, zischen und scheppern an. Eine Melodie erklang, ähnlich wie das Geklimper eines Eiswagens. Eine Stimme sagte "Verbessern sie ihr Leben, gönnen sie sich einen schönen Tag, überall, zu jeder Zeit mit den 21st Century-Automaten". Die Schalter blinkten jetzt wild, wie bei einem Spielautomaten in einer Kneipe. Der Clown spielte vollends verrückt, bis es irgendwann einen Schlag tat und die Glühbirne, die ihn erleuchtete vollends erlosch. Ich warf ein paar Münzen ein und drückte den "Glück-Schalter". Das Ungetüm rappelte, rauchte, etwas in seinem Inneren arbeitete schwer und schließlich fiel unten ein buntes Bonbon in den Schacht. Ich entfernte das Papier und hielt eine Art bunte Pille in der Hand, auf der mit goldenen Buchstaben "Glück" stand.
Diese Welt verspricht uns die Erfüllung unseres Lebens. Aber sie erreicht es indem sie uns wo es nur geht von sich selbst ablenkt, ist das nicht paradox, nein, ist das nicht sogar irgendwie grauenhaft? Der Sinn unseres Lebens besteht also darin dieser Welt zu entfliehen.

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