Donnerstag, 23. Juli 2009

Balkon.

Der Kerzenschatten der Weinflasche zitterte an der heruntergelassenen Jalousie. Über mich hinweg zogen dunkle, große Wolken, diese Giganten des Himmels, gerade noch sichtbar. Ohne die Sonne verschwinden aber auch sie.
Ich tat nichts. Mit Absicht und aus gutem Grund. Der wahre Fluch unserer Zeit, das ist von jedem Gedanken, der mal unter der Oberfläche kratzen könnte, abgelenkt zu werden. So findet niemand zueinander und keiner zu sich selbst, weil wir das wahre Leben bei MTV vermuten und, ziehen wir den Vergleich, in Unzufriedenheit baden. So denken wir, wir seien nichts und wissen dabei doch nicht mal wer wir sind.
Schau ich die nächste Hauswand an, dann steht da hinter jedem zweiten Fenster ein Bildschirm. So flüchtet die Krone der Schöpfung Tag für Tag, immer aufs Neue, vor sich selbst, bastelt Kokons, kauft sich Masken, nur um nicht das zu sein, was man ist.

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