Der Automat war ungefähr so groß wie ein durchschnittlicher Kleiderschrank, den man im Schlafzimmer stehen hat. Er war massiv, aus kupferfarbigem Metall, das im schmierigen Licht der Grotte in der er stand matt schimmerte. Am Boden wuchsen Pilze an ihm hoch, grün, blau, lila und gepunktet. Von oben griff das Moos den Metallkoloss an und überwucherte in langsam. Dort oben thronte ein Clowngesicht auf dem Ungetüm. In seinem Innenren flackerte eine Glühbirne, wodurch sein überbreites Grinsen alle paar Sekunden erlosch, um schließlich wieder aufzuleuchten. Seine Nase glich einer unreifen Tomate, hellrot, manche Teile sogar hellgrün. Das orangene Haar glitt an den Seiten unter einem Hut, von dem die schwarze Farbe schon abbröckelte, hervor und wucherte nach rechts und links an die Seiten, wo es sich mit dem Moos schließlich verband und so schien es, als ob es den gesamten Automaten umspannte. Das Gesicht war totenbleich.
Unter dem Clownsgesicht, auf Augenhöhe war ein Schild angebracht. "21st Century" stand darauf. Darunter große Schalter, alle nikotingelb leuchtend. Es roch leicht nach Schwefel. Unter den Schaltern schien irgendwann einmal eine Flüssigkeit ausgelaufen zu sein, da sich dünne, dunkle Rinnsale ihren Weg von den Schaltern bis zum Boden gebahnt hatten und dabein eine ölige Spur hinterliesen. Die Schalter trugen die Aufschrift Sex, Unterhaltung, Zufriedenheit und Glück. Rechts davon war ein Schlitz, man konnte nur mit Geld bezahlen. Ich drückte den großen, runden An-Knopf, der Automat fing zu ruckeln, zischen und scheppern an. Eine Melodie erklang, ähnlich wie das Geklimper eines Eiswagens. Eine Stimme sagte "Verbessern sie ihr Leben, gönnen sie sich einen schönen Tag, überall, zu jeder Zeit mit den 21st Century-Automaten". Die Schalter blinkten jetzt wild, wie bei einem Spielautomaten in einer Kneipe. Der Clown spielte vollends verrückt, bis es irgendwann einen Schlag tat und die Glühbirne, die ihn erleuchtete vollends erlosch. Ich warf ein paar Münzen ein und drückte den "Glück-Schalter". Das Ungetüm rappelte, rauchte, etwas in seinem Inneren arbeitete schwer und schließlich fiel unten ein buntes Bonbon in den Schacht. Ich entfernte das Papier und hielt eine Art bunte Pille in der Hand, auf der mit goldenen Buchstaben "Glück" stand.
Diese Welt verspricht uns die Erfüllung unseres Lebens. Aber sie erreicht es indem sie uns wo es nur geht von sich selbst ablenkt, ist das nicht paradox, nein, ist das nicht sogar irgendwie grauenhaft? Der Sinn unseres Lebens besteht also darin dieser Welt zu entfliehen.
Sonntag, 29. März 2009
Freitag, 27. März 2009
Freiheit, Gleichheit...
7.30 Uhr und ich betrete die Bühne. Ich öffne die Tür. Kleine 5. Klässler rennen an mir vorbei, ihre Schritte, bum bum bum, wie ein schnell schlagendes Herz.Lehrer pendeln zwischen Sekretariat und Lehrerzimmer, observieren dabei das Geschehen. Schüler überall. Ich flüchte in das Klassenzimmer. Eine Stunde fliegt vorbei, Pausengong. Ich muss raus in den Gang. Am Rand sitzend liest einer den Fokus und fragt mich, ob ich ihn haben will. "Nein bloß nicht, den hab ich schon.", antworte ich. Ich laufe den Gang entlang, vorbei an den Räumen der unteren Klassen. Große Plakate hängen dort an einer Wand mit Zahlen von eins bis zehn, ein paar Schüler stehen davor und zeigen darauf, als ich vorbei laufe. Ob mein 3-Tage Bart auch wirklich 3 Tage lang und nicht 3 1/2 Tage lang ist, frage ich mich.
In der Bibliothek treffe ich einen Freund von mir. Warum ich nicht mehr blogge und wann es denn mal wieder neue Fotos von mir gäbe, fragt er mich. Ach und seit wann ich denn nicht mehr Indie wär, will er wissen. Jetzt fehlt ihm wohl die Schublade, denke ich. Vor der Glastür geschäftiges Treiben, Models auf dem Laufsteg, Voyeure, Photoshopper aber hauptsächlich: überall Stars. Und alle wollen sie gesehen werden. Alle sind sie in etwa gleich in ihrer Andersartigkeit.
In der Bibliothek treffe ich einen Freund von mir. Warum ich nicht mehr blogge und wann es denn mal wieder neue Fotos von mir gäbe, fragt er mich. Ach und seit wann ich denn nicht mehr Indie wär, will er wissen. Jetzt fehlt ihm wohl die Schublade, denke ich. Vor der Glastür geschäftiges Treiben, Models auf dem Laufsteg, Voyeure, Photoshopper aber hauptsächlich: überall Stars. Und alle wollen sie gesehen werden. Alle sind sie in etwa gleich in ihrer Andersartigkeit.
Von oben herab in Sehnsucht und Abscheu.
Ich sitz' am Berg. Hexagometrische Gleichmäßigkeit fällt vom Himmel - so würde es Thomas Mann ausdrücken und dafür liebe ich ihn, für mehr aber auch nicht - und, da es langsam dunkelt, Stille sich über die weißen Weinreben legt, erhebe ich mich von meinem Lieblingsplatz, ein großer Stein von dem aus man einen wunderschönen Ausblick über das Dorf hat. Sommer wie Winter, ich komme gerne hier her, auch wenn der Stein unbequem ist. Es scheint fast, als ob er für jedermann, nur nicht für mich gemacht sei um darauf zu sitzen und glücklich zu sein. Aber ich tue mein bestes. Meine Schritte hört man kaum, der Feldweg, der sich wie eine weiße Python an den Berg schmiegt, ist gänzlich zugeschneit.
Wenn ich auf das Dorf im Tal blicke, so sehe ich die vielen, hellen Fenster der einfach gebauten Einfamilien- und Reihenhäuser. Es ist mehr als nur Licht. Aus diesen Fenstern tritt Wärme, Geborgenheit, Reinheit und ja, auch Liebe. Es ist bürgerliches Licht, dass da aus all den vielen hochkantigen Rechtecken der Dorfhäuser scheint, ein Licht, welches seine Kraft aus der Alltäglichkeit, aus der Routine bezieht. Ein Licht das „zu Hause“ zu dir sagt, wenn es dich trifft. Und dann frage ich mich, ob aus meinem Haus jemals so ein Licht scheinen wird. Ich frage mich, ob ich jemals ankomme. Ja ich frage mich, ob die Menschen, wenn ich einmal alt bin überhaupt noch in Häusern leben werden. Ihr hattet es alle so leicht und wisst das gar nicht, ihr Lichtgestalten dort unten. Wie soll ich heute ankommen, wenn ich nicht weiß, ob die Welt morgen noch dieselbe ist? Ich weiß ja nicht mal wo ich ankommen soll, geschweige denn wie.
In diesem Moment rutsche ich aus und falle hin. Der Boden ist unter dem samtigen Schnee verdammt vereist und hart. Der Schmerz wandert von meinem Becken in mein Gehirn. An das Umfallen und Aufstehen muss man sich schon gewöhnen, denke ich, stehe auf und laufe weiter zurück ins Dorf, wie ein Wildpferd, dass zahm zurück zu seiner Eselherde trottet.
Wenn ich auf das Dorf im Tal blicke, so sehe ich die vielen, hellen Fenster der einfach gebauten Einfamilien- und Reihenhäuser. Es ist mehr als nur Licht. Aus diesen Fenstern tritt Wärme, Geborgenheit, Reinheit und ja, auch Liebe. Es ist bürgerliches Licht, dass da aus all den vielen hochkantigen Rechtecken der Dorfhäuser scheint, ein Licht, welches seine Kraft aus der Alltäglichkeit, aus der Routine bezieht. Ein Licht das „zu Hause“ zu dir sagt, wenn es dich trifft. Und dann frage ich mich, ob aus meinem Haus jemals so ein Licht scheinen wird. Ich frage mich, ob ich jemals ankomme. Ja ich frage mich, ob die Menschen, wenn ich einmal alt bin überhaupt noch in Häusern leben werden. Ihr hattet es alle so leicht und wisst das gar nicht, ihr Lichtgestalten dort unten. Wie soll ich heute ankommen, wenn ich nicht weiß, ob die Welt morgen noch dieselbe ist? Ich weiß ja nicht mal wo ich ankommen soll, geschweige denn wie.
In diesem Moment rutsche ich aus und falle hin. Der Boden ist unter dem samtigen Schnee verdammt vereist und hart. Der Schmerz wandert von meinem Becken in mein Gehirn. An das Umfallen und Aufstehen muss man sich schon gewöhnen, denke ich, stehe auf und laufe weiter zurück ins Dorf, wie ein Wildpferd, dass zahm zurück zu seiner Eselherde trottet.
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