Freitag, 24. Juli 2009

Familie.

Im Haus der Famile Byrnbaum war vieles normal, manches nicht. Normal war, dass der Vater, ein tüchtiger Anwalt, wenn er des Abends zur Haustür hereinkam von seiner Tochter einen Kuss auf die Wange empfing. Sie war sein jüngstes Kind, obschon auch sie nun schon kein Kind mehr war. Bildhübsch, ein junges Mädchen, eine Knospe, der man Tag um Tag beim Erblühen zuschauen konnte. Sie nahm ihrem Vater Hut und Aktekoffer ab und führte ihn in die Küche, wo ihr älterer Bruder schon gierig hinter dampfenden Töpfen saß. <<>>, so eröffnete er jeden Abend das Gespräch mit dem Vater. Sie verstanden sich gut, alle drei. Plauderten und ließen dabei oft sogar das Essen kalt werden. Bilderbuchszenen waren das, wäre da nicht der leere Stuhl am Tisch gewesen, der dort hässlich herumstand, wie eine Narbe in dem sonst so schönen Gesicht. Normal war das also doch nicht, dieses Familienleben. Normal war es auch nicht, dass der Sohn seit geraumer Zeit nach dem Abendessen in den Keller ging, sich dort einschloss und manchmal bis spät in die Nacht hämmerte und sägte. Keiner durfte wissen, was er da tat, keiner ihn stören, er verschwieg es peinlichst.
Aber eines Abends spielte die Tochter gerade mit der Katze, das Knäuel aus schwarzer Wolle rollte bei dieser Umhertoberei die Stufen zum Keller hinab. Sie folgte dem dünnen, schwarzen Pfad die steinigen Stufen hinab. Unten angekommen konnte sie nicht an sich halten, brach das Versprechen, dass sie dem Bruder gegeben hatte und schlich sich ans Schlüsselloch der messingbeschlagenen Kellertür. Sie lugte hindurch, aber was sie sah verstörte sie aufs Gröbste. Ihr Bruder hatte einen Sarg gezimmert, einen wirklich schönen, edlen Sarg, abgeschliffen und poliert. Einen Sarg, für was? Wozu? Sie beschloss, das mit dem Vater zu bereden. Doch da sie sich umdrehen und die Kellertreppe hinaufgehen wollte, schlug der Bruder von innen die Kellertüre wissentlich auf. Gegen ihre Stirn. Sie fiel sofort zu Boden und war bewusstlos. <> Und so zog er die Schwester in den Keller und schließlich in den Sarg, schlug Nagel für Nagel mit wütendem Gesicht ins dunkle Holz und ließ sein Werk still in die Erde im Fundament des Gebäudes hinab. So wuchsen dem Hause Byrnbaum hässliche Wurzeln und so sind wohl viele Bäume voll von Maden, mögen sie noch so schöne Früchte tragen. Völlig normal ist das.

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