Sonntag, 14. Juni 2009

Rolf.

Rolf ist Busfahrer. Busfahrer aus Prinzip, weil er hat seine Prinzipien, so ist das. Mit Rolf. Rolf fährt mich außerdem ab und an nachts nach Hause. Nicht aus Nächstenliebe oder so, nein! Rolf macht in letzter Zeit oft die Nachtschicht und fährt Nachtbus. Das ist sehr mutig von ihm, so einen Bus mit Betrunkenen zu fahren. Schließlich hat er ja Prinzipien und Betrunkene haben die meistens nicht. Betrunkene haben einfach nur Spaß, Rolf mag Spaß eher nicht so. Eigentlich passt das ja nicht zusammen, aber vielleicht fährt Rolf ja nur den Nachtbus, weil er weiß, dass es da drunter und drüber geht, ohne Ordnung, ohne ihn und das fordert ihn scheinbar irgendwie heraus. Im Nachtbus ist er jemand. "Heute Nacht greif ich wieder hart durch bei den Besoffskis!", denkt sich Rolf wohl und fährt deshalb den Nachtbus um 4 Uhr.
Döner essen im Bus geht bei Rolf gar nicht, Vorschrift. Deshalb weisst Rolf den jungen Mann schon beim Einsteigen darauf hin, dass er seinen Döner, den er da in der Hand hat wohl besser in der Alufolie lässt. "Jaja Rolf." Dann passt ja alles. Aber als es hinten im Bus zu knistern anfängt läuten bei Rolf die Alarmglocken. Er hält am Straßenrand, springt auf und stürmt nach hinten. Den Zeigefinger bedrohlich in der rechten Hand. Geladen und entsichert. "Im Bus wird der Döner net gesse hab I gsagt, verschdande? No oimal und du bisch hier schneller raus, als de glotze kannsch, verschdande?". "Ja Rolf, schon ok. Kein Problem Kollege". Rolf marschiert zurück und man kann ihn innerlich sich freuen und grinsen spüren. Eine Haltestelle weiter knistert es wieder. Rolf sieht rot. Der gleichen Route folgend geht's wieder ab nach hinten, gleichzeitig geht die mittlere Tür auf. "Kein Döner hab I gsagt und für dich isch hier jetzt Ende!" "Hey jetzt Rolf komm schon, s' tut mir echt leid, ich tu ihn jetzt weg und schwöööör, ganz ehrlich, ich schwööööööööör ich ess nich mehr weiter." Das ist Rolf aber eigentlich zu wenig. Rolf kann dich rausschmeißen, warum? Weil er's eben kann, weil er in diesem Moment Busfahrer in Uniform ist und er sucht nur nach nem Grund dazu. Keiner weiß wie, aber der Dönermann hinten im Bus schaffte es dann doch Rolf davon zu überzeugen, dass er jetzt besser nicht in Fellbach aussteigt, weil er ja nach Waiblingen muss und es 4 Uhr ist und ja, er packt den Döner endgültig weg und überhaupt, es tut ihm wirklich seeehr, seeehr Leid. Rolf erklärt sich einverstanden, weil er sieht wie klein der Mann mit dem Döner jetzt vor ihm wird, obwohl Rolf sonst eigentlich nicht der Größte ist.

Rolf hat Prinzipien und Rolf hat sein Reich - der Bus. Rolf verteidigt das und das finden bestimmt viele in Ordnung. Adolf war auch ein Fan von Prinzipien, hatte eine Vorstellung von Recht und Ordnung und wie wichtig das ist. Wo kommen wir auch hin, wenn es sowas nicht mehr gäbe? Scheiß Punks. Ja sowas war damals ganz wichtig und Rolf wäre da gut aufgehoben gewesen. Aber dem Rolf bleibt leider nichts übrig, als nur den Nachtbus zu fahren und wenn er wieder jemanden wegen einem Döner rausschmeißt, denkt er sich bestimmt, dass er ja eigentlich auch keinen kalten Döner essen würde, aber im Bus wird nunmal nicht gegessen. Das macht er jeden Abend klar, in aller Deutlichkeit, in aller Deutschlichkeit. Einen Rolf wird es immer geben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen