Es müsste eigentlich Nacht und damit dunkel sein, doch der Himmel schummert leise über mir, als ich durch die Straßen spaziere. Der falsche Schein der Laternen, der Autos und der Wohnhäuser lügt den Tag ans Himmelzelt und schämt sich noch nicht mal dafür. Ums Eck kommt ein Punk. Einer von den klischeehaften. Bestimmt noch unter 20, präsentiert er den blonden Iro stolz als Kopfschmuck, seine Ketten an der schwarzen Hose, klimpern. Seine Ohren zittern unter der Folter der lauten Musik. Wie das halt so ist, mit den Punks. Und wenn der jetzt auf einen Klischee Mercedes Fahrer, Ende 50, trifft, dann werden sich die zwei wohl anbrüllen. "Geh mal arbeiten!", von rechts. "Geh du doch mal saufen!", von links. Ein bisschen hin und hergemucke und beide gehen ihres Weges, zufrieden, da sich ihr Bild von der Gesellschaft aufs neue bestätigt hat. Die brauchen das beide, so ab und zu mal.
Später dann beim Bankgebäude Graffitis auf der Wand. "Es war nicht alles schlecht im Kapitalismus!", steht da unter anderem und das ist noch einer der geistreichsten Sprüche dort. Wahrscheinlich war es auch noch ein Bankkaufmann, der dort tagsüber arbeitet und die Spraydosen von seinem Gehalt bezahlt hat, der das dort hingesprüht hat. Es geht ja auch nicht darum die Banken im Land irgendwann mal in die Knie zu zwingen. Um Gottes Willen. Es geht nur darum, dass man Leute braucht, die in der Bank arbeiten und das große Geld machen und dann brauch man solche, die Graffitis sprayen. Das ganze läuft auf kein Ziel hinaus, es bestätigt nur beide Seiten in ihrer Existenz, festigt ihren Platz. Nichts bewegt sich. Alles Routine, kommt immer wieder, muss so sein, alle lachen drüber, reden drüber, reden immer das gleiche, tun immer das gleiche. Bewirken nichts.
Montag, 29. Juni 2009
Samstag, 20. Juni 2009
Got my head on a pillow like a golden, sleepy stone.
Es ist 12.15Uhr am morgen. Ich erhebe mich aus meinem Kokon, in dem ich so wunderschön geträumt habe. Träume, die man nicht erzählen kann, da sie nur ein Gefühl und kaum Handlung hinterlassen und wach nie so schön sind wie im Schlaf.
Ich lass die Nadel sachte auf "Songs of Leonard Cohen" aufsetzen und gehe in die Küche. Croissant, Marmelade, Hohes C Saft. Draussen scheint die Sonne, obwohl der Wetterbericht was anderes vorausgesagt hatte. Alles ist schön. Alles ist schön :)
Ich lass die Nadel sachte auf "Songs of Leonard Cohen" aufsetzen und gehe in die Küche. Croissant, Marmelade, Hohes C Saft. Draussen scheint die Sonne, obwohl der Wetterbericht was anderes vorausgesagt hatte. Alles ist schön. Alles ist schön :)
Sonntag, 14. Juni 2009
Rolf.
Rolf ist Busfahrer. Busfahrer aus Prinzip, weil er hat seine Prinzipien, so ist das. Mit Rolf. Rolf fährt mich außerdem ab und an nachts nach Hause. Nicht aus Nächstenliebe oder so, nein! Rolf macht in letzter Zeit oft die Nachtschicht und fährt Nachtbus. Das ist sehr mutig von ihm, so einen Bus mit Betrunkenen zu fahren. Schließlich hat er ja Prinzipien und Betrunkene haben die meistens nicht. Betrunkene haben einfach nur Spaß, Rolf mag Spaß eher nicht so. Eigentlich passt das ja nicht zusammen, aber vielleicht fährt Rolf ja nur den Nachtbus, weil er weiß, dass es da drunter und drüber geht, ohne Ordnung, ohne ihn und das fordert ihn scheinbar irgendwie heraus. Im Nachtbus ist er jemand. "Heute Nacht greif ich wieder hart durch bei den Besoffskis!", denkt sich Rolf wohl und fährt deshalb den Nachtbus um 4 Uhr.
Döner essen im Bus geht bei Rolf gar nicht, Vorschrift. Deshalb weisst Rolf den jungen Mann schon beim Einsteigen darauf hin, dass er seinen Döner, den er da in der Hand hat wohl besser in der Alufolie lässt. "Jaja Rolf." Dann passt ja alles. Aber als es hinten im Bus zu knistern anfängt läuten bei Rolf die Alarmglocken. Er hält am Straßenrand, springt auf und stürmt nach hinten. Den Zeigefinger bedrohlich in der rechten Hand. Geladen und entsichert. "Im Bus wird der Döner net gesse hab I gsagt, verschdande? No oimal und du bisch hier schneller raus, als de glotze kannsch, verschdande?". "Ja Rolf, schon ok. Kein Problem Kollege". Rolf marschiert zurück und man kann ihn innerlich sich freuen und grinsen spüren. Eine Haltestelle weiter knistert es wieder. Rolf sieht rot. Der gleichen Route folgend geht's wieder ab nach hinten, gleichzeitig geht die mittlere Tür auf. "Kein Döner hab I gsagt und für dich isch hier jetzt Ende!" "Hey jetzt Rolf komm schon, s' tut mir echt leid, ich tu ihn jetzt weg und schwöööör, ganz ehrlich, ich schwööööööööör ich ess nich mehr weiter." Das ist Rolf aber eigentlich zu wenig. Rolf kann dich rausschmeißen, warum? Weil er's eben kann, weil er in diesem Moment Busfahrer in Uniform ist und er sucht nur nach nem Grund dazu. Keiner weiß wie, aber der Dönermann hinten im Bus schaffte es dann doch Rolf davon zu überzeugen, dass er jetzt besser nicht in Fellbach aussteigt, weil er ja nach Waiblingen muss und es 4 Uhr ist und ja, er packt den Döner endgültig weg und überhaupt, es tut ihm wirklich seeehr, seeehr Leid. Rolf erklärt sich einverstanden, weil er sieht wie klein der Mann mit dem Döner jetzt vor ihm wird, obwohl Rolf sonst eigentlich nicht der Größte ist.
Rolf hat Prinzipien und Rolf hat sein Reich - der Bus. Rolf verteidigt das und das finden bestimmt viele in Ordnung. Adolf war auch ein Fan von Prinzipien, hatte eine Vorstellung von Recht und Ordnung und wie wichtig das ist. Wo kommen wir auch hin, wenn es sowas nicht mehr gäbe? Scheiß Punks. Ja sowas war damals ganz wichtig und Rolf wäre da gut aufgehoben gewesen. Aber dem Rolf bleibt leider nichts übrig, als nur den Nachtbus zu fahren und wenn er wieder jemanden wegen einem Döner rausschmeißt, denkt er sich bestimmt, dass er ja eigentlich auch keinen kalten Döner essen würde, aber im Bus wird nunmal nicht gegessen. Das macht er jeden Abend klar, in aller Deutlichkeit, in aller Deutschlichkeit. Einen Rolf wird es immer geben.
Döner essen im Bus geht bei Rolf gar nicht, Vorschrift. Deshalb weisst Rolf den jungen Mann schon beim Einsteigen darauf hin, dass er seinen Döner, den er da in der Hand hat wohl besser in der Alufolie lässt. "Jaja Rolf." Dann passt ja alles. Aber als es hinten im Bus zu knistern anfängt läuten bei Rolf die Alarmglocken. Er hält am Straßenrand, springt auf und stürmt nach hinten. Den Zeigefinger bedrohlich in der rechten Hand. Geladen und entsichert. "Im Bus wird der Döner net gesse hab I gsagt, verschdande? No oimal und du bisch hier schneller raus, als de glotze kannsch, verschdande?". "Ja Rolf, schon ok. Kein Problem Kollege". Rolf marschiert zurück und man kann ihn innerlich sich freuen und grinsen spüren. Eine Haltestelle weiter knistert es wieder. Rolf sieht rot. Der gleichen Route folgend geht's wieder ab nach hinten, gleichzeitig geht die mittlere Tür auf. "Kein Döner hab I gsagt und für dich isch hier jetzt Ende!" "Hey jetzt Rolf komm schon, s' tut mir echt leid, ich tu ihn jetzt weg und schwöööör, ganz ehrlich, ich schwööööööööör ich ess nich mehr weiter." Das ist Rolf aber eigentlich zu wenig. Rolf kann dich rausschmeißen, warum? Weil er's eben kann, weil er in diesem Moment Busfahrer in Uniform ist und er sucht nur nach nem Grund dazu. Keiner weiß wie, aber der Dönermann hinten im Bus schaffte es dann doch Rolf davon zu überzeugen, dass er jetzt besser nicht in Fellbach aussteigt, weil er ja nach Waiblingen muss und es 4 Uhr ist und ja, er packt den Döner endgültig weg und überhaupt, es tut ihm wirklich seeehr, seeehr Leid. Rolf erklärt sich einverstanden, weil er sieht wie klein der Mann mit dem Döner jetzt vor ihm wird, obwohl Rolf sonst eigentlich nicht der Größte ist.
Rolf hat Prinzipien und Rolf hat sein Reich - der Bus. Rolf verteidigt das und das finden bestimmt viele in Ordnung. Adolf war auch ein Fan von Prinzipien, hatte eine Vorstellung von Recht und Ordnung und wie wichtig das ist. Wo kommen wir auch hin, wenn es sowas nicht mehr gäbe? Scheiß Punks. Ja sowas war damals ganz wichtig und Rolf wäre da gut aufgehoben gewesen. Aber dem Rolf bleibt leider nichts übrig, als nur den Nachtbus zu fahren und wenn er wieder jemanden wegen einem Döner rausschmeißt, denkt er sich bestimmt, dass er ja eigentlich auch keinen kalten Döner essen würde, aber im Bus wird nunmal nicht gegessen. Das macht er jeden Abend klar, in aller Deutlichkeit, in aller Deutschlichkeit. Einen Rolf wird es immer geben.
Salome.
Ein kalter Hauch, der zwischen ihren schiefen Beinen hindurchweht. Schwarzes Nachthemd, auf und ab. Zehn Zehen auf kaltem Steinboden. Jeder Schritt wie eine Hand, die sanft tote Wangen streichelt. Ich bin der Regen, der ihr zu Füßen fällt, ihr die Schultern küsst, über ihren Körper wandert, Pore für Pore vorbeifließt. Schwarze, feucht schimmernde Haare, ein Moor in Mondesnacht greift um ihren Hals. Ich verwisch das bisschen Tod an ihren Augenrändern, die diesen einen Blick umschließen, der sich durch den Regen schneidet. Ich kann nicht anders, als an ihr immer und immer wieder herabzufließen und sie bekommt nicht mal Gänsehaut.
Mittwoch, 10. Juni 2009
Höchstens 1/2 (ggf. 1) Tablette einnehmen.
Nein, Selbstzerstörung ist kein Laster. Selbstzerstörung ist eine der Genialitäten des Lebens, wenn man sie Hand in Hand mit der Erholung gehen lässt. Denn nur wer sich eine Nacht lang mit Bier, Whisky und Koffeintabletten an einen Tisch setzt und alles noch mal im Detail bespricht, was es so auf sich hat jetzt mit dem Leben und überhaupt, nur der kann dann auch so wunderbar schlafen wie sonst kaum ein anderer in diesem Moment. Außerdem habe ich mich noch nie so über einen Schluck Wasser gefreut.
Und eins und zwei und hoch und runter und vorwärts, Marsch! Stirn zum Himmel, Kopf gebeugt und dann lasst uns wandern! Einfach das Licht ausknipsen, wenn man sich verläuft.
Und eins und zwei und hoch und runter und vorwärts, Marsch! Stirn zum Himmel, Kopf gebeugt und dann lasst uns wandern! Einfach das Licht ausknipsen, wenn man sich verläuft.
Freitag, 5. Juni 2009
Lasst uns die Augen schließen und über das Meer fliegen. Vom Himmel herab stürzen, über Wellen preschen wie entfesselte Götterfunken. Unten die tote See, über uns das helle Reich. Herab, herab, bis uns eisige Wogen über die Brust streichen, bis uns kalter Reif das Herz küsst, uns nüchtern macht. Kälte macht nüchtern, auf das wir uns wieder in Wärme trunken machen werden. So fliegen wir hoch und runter und können nur nach oben weil wir unten waren und können nur nach unten, wiel wir oben waren und es ist gut so. Schwarz und Weiss muss eine Farbe sein. Und nur weil die Wellengruft unter uns gähnt empfinden wir die Chöre des Himmels als bezaubernd. Umfallen, aufstehen. Zerstören, erschaffen. Nur der Tod kann uns aus dem Schlaf des Lebens erwecken, nur der Tod vor Augen. Verlust bedeutet Platz für Neues, also lasset der Zersetzung freien Lauf. So fliegen wir dem Mond in der Nacht entgegen.
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