Samstag, 5. September 2009

Tschüss, ich hab erst mal genug!

"Wenn du an nichts glaubst, an keinen Gott, nicht an das Geld, nein, nicht mal an den Menschen, kannst du dann an dich glauben? Kannst du?"
Ihre Worte durchbohrten mich. Konnte ich, ja konnte ich das? Und wenn nicht, erübrigte sich dann nicht alles? Und kann das denn eine Lösung sein oder ist es bittere Kapitulation? Mein Chamäleon flimmerte wild. Tausend Farben tanzten und plötzlich war aus allem die Bewegung genommen. Jede Schuppe fand ihre Farbe, jede eine andere. Und im Großen ergaben sie ein großes Nichts. Ein Alles und nichts, ein vollendetes Spektrum, das jedoch nur Spiegelbild war, oder Sammlung, Kopie und sich nur durch die Angst davor nicht enttarnt zu werden zusammenhalten konnte. Ich zerbreche an dem was mich seit jeher über andere gestellt hat. Als sei ich am Ende der Welt von der Scheibe gefallen, ja ich hatte es endlich geschafft so weit zu kommen und dann war dort nichts, was mich hätte auffangen können. Nur eine Schwärze, keine Adjektive, nur schwarz. Das Höchstmaß an Verzweiflung.

Montag, 24. August 2009

Der Fuchs und das Chamäleon.

Über dem Café Nihil leuchteten stets die Sterne. Warum auch immer, hier war die Nacht am schönsten, hier konnte man sie am besten genießen. Ich saß in der Ecke, auf meiner Couch. Die Wände waren weiß, das Mobiliar schwarz. Im Allgemeinen war hier eigentlich alles sehr monochrom gehalten und das traf sogar auf die Gäste zu. „Suicide Jesus, what happened to the revolution?“ stand hinter mir an der Wand. Diesen Spruch hatte ich schon immer geliebt, deshalb war das hier mein Lieblingsplatz in meinem Lieblingscafé. Und es wäre ein Abend wie jeder andere für mich und mein Chamäleon geworden, wäre sie nicht plötzlich aufgetaucht. Beine, lang, bis in die Hölle hinab. Eine Haut von weißer Asche, kohlschwarze Haare. Glühende Lippen. Ihr Fuchsschweif strich sanft den Türrahmen, als sie eintrat. Ich teerte meine Lunge, das Chamäleon wurde wach. Ihre Aura füllte nach und nach den ganzen Raum und ich versuchte sie mit dem Rauch zusammen einzuatmen. Ein bittersüßer Geschmack, im Kern unbeschreiblich. Nicht unbeschreiblich schön oder so etwas, nein, einfach undefinierbar, geheimnisvoll, Umwoben von Schatten, die ich zu erkennen versuchte, dabei scheiterte, mir aber schwor sie zu erleuchten. Ich erhob mich. Das Chamäleon in meiner Brust schnalzte mit der Zunge, flimmerte, bildete, immer von neuem und fand den Schlüssel aber nicht. Gänzlich blind schien es dieses Mal, obwohl ihm keine Grenzen gesetzt waren. Aber ich würde den Fuchs schon zähmen.

Samstag, 15. August 2009

Nur Berlin.

Was nun folgt, muss eigentlich nicht sein. Warum? Weil über Berlin schon viel zu viel geschrieben wurde. Das langweilt, sogar mich selber. Aber, wie das eben mit Berlin so ist, ist es auch mit dem "über diese Stadt schreiben" etwas ganz eigenartiges. Berlin zieht die Tinte aufs Blatt, wie kaum eine andere deutsche Stadt. Also nun doch.
Der Flughafen Tempelhof ist eine gigantische Kulisse. Ein rießiger Bau, von der Infrastruktur her perfekt geeignet für ein Festival. In die verschiedenfarbigsten Lichter gehüllt, baut sich dieser verschwendend lange Halbring vor einem auf. Es ist nicht überlaufen, obwohl nachher Pete spielt. Was schmerzt sind die 3,50€ fürs Bier, ich hör meine Leber tief durchatmen. Pete muss sich um sowas nicht kümmern. Irgendwann so gegen 00.30 Uhr betritt er die Bühne. Mit einer Flasche Wein und einem Glas, dazu Gitarre. Aura. Ja, eine selbstzerstörerische, klitschnass geschwitzte, zum dahinschmelzend lächelnde Aura betritt die Bühne. Pete ist für mich fast schon eine literarische Figur, als ob es ihn in Wirklichkeit gar nicht gäbe. Er selbst fasziniert mich viel mehr, als seine Musik.
24 Stunden später gibt sich der stillgelegte Flughangar bewusst grotesk und zerstörerisch. Hach ja. Deichkind. Es gibt nichts, rein gar nichts, dass Menschen so bewegt, und damit meine ich bewegen im wahrsten Sinne des Wortes, bewegen, wie der Puppenspieler eine Marionette bewegt, wie die Musik das Publikum. Wie diese Musik das Publikum. Auf der Bühne ein Mann mit Pferdekopf und einem langen Stab in der Hand. Eine Art Zeremonienmeister, er kniet nieder, alle knien nieder. Was eine Messe, was eine Faszination. Es regnet, vom Schweiß der Luft, seichte Federn vom Himmel. Sie hindern mich am atmen, blöd, wenn alles was mein Körper zu mir sagt "atmen...atmen" ist. Ich stehe im Kampf mit mir selbst. Wach im Kopf, dank Koffeintablette, Fleisch: schwach. Wie so oft. Irgenwann dann schließlich Sense.
Tags darauf im Kaffee Burger. Alles mal langsamer angehen. Lesebühne. Die Texte, die gelesen werden sind teils unterhaltend, teils total scheiße. Aber gerade letzteres freut mich umso mehr, ich denk mir: Das kannst du besser. Heute will echt jeder Depp ein Buch schreiben. Aber, das muss auf jeden Fall erwähnt werden, Tarzan zieht an diesem Abend die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Tarzan, hm, Tarzan ist vermutlich irgendwas mit 50, trägt eine Armyhose, Sandalen, weiße Socken, eine Mütze. Er hat spindeldürre, tättowierte Arme und mit den langen Fingern daran spielt er oft, einfach so, Luftgitarre und schiebt dabei die Unterlippe vor. Der Typ ist "durch". In der Pause betritt er die Bühne, das ist ok, man kennt ihn hier schon. Er versucht uns klarzumachen, dass irgendwo, da wo er immer unter irgendeinem Baum auf einer Bank im Prenzlauer Berg sitzt Party geht. Mit Rock n' Roll, richtiger Gitarrenmucke, geiler Scheiß. Wir sollen alle vorbeischauen. Schon klar Tarzan. Als dann Jakob Hein seinen Platz 1 der ekligsten Essenserfahrungen vorstellen will, steht Tarzan auf. Tarzan schafft es ohne Scheinwerfer absolut im Rampenlicht zu stehen, indem er sich in hohem Bogen übergibt. Und das bei einem Text über den Verzehr von chinesischen Babyschildkröten. War das einstudiert? Tarzan wird auf jeden Fall höflich zur Tür geleitet. Was der wohl gerade macht, der Tarzan...
Das "Tacheles" könnte eigentlich ganz cool sein. Der "Geheimtip" leidet aber daran in jedem Berlin Reiseführer als "Geheimtip" zu stehen. Deshalb: überall Touris. Was mich dennoch fasziniert, neben der Kulisse, ist der DJ im Club Studio 54 dort. Der kifft. Ein rießen Ding. Der ganze Raum riecht danach. Mich fasziniert nicht die Menge an Gras, aber mich fasziniert diese....naja, wie soll ich sagen...Ungeniertheit, diese Freiheit mit der er dies macht. Ja, so unbesorgt könnt ich nie...also ja, auf jeden Fall was, das man in Stuttgart nicht findet.
Ach und das Paradies habe ich dann schließlich auch noch gefunden. Mitten in Berlin! Oh ja, das Paradies liegt am Rosenthaler Platz. Ganz ohne Engel. Die Weinerei. Hier geht man hin, zahlt 2€, bekommt ein Glas und schenkt sich am Tresen einen von den verschiedenen Weinsorten ein. Und wieder. Und wieder. Beim hinausgehen bezahlt man, was man will. Essen gibt es auch. Die Austattung umhüllt diesen Genuss und bettet ihn in bequemen Stoff. Alte Sessel und Sofas, alte Lampen. Junge Leute. Vor meinem Auge sehe ich meinen Niedergang, wenn ich jemals in der Nähe des Rosenthaler Platzes wohnen würde. Und überhaupt. Jesus würde an seinem eigenen Blut ersaufen, wöllte er für die Sünden dieser Stadt sterben. Das ist das geile an dieser Stadt, das ist die Doppelweltigkeit dieser Stadt. Oben, unten, hell, dunkel, weiß und schwarz. Tugend, Laster. Laster. Ja, wie ich mich freue auf die Zeit, die Zeit, die kommt. Kann ich doch kaum bestimmen, wie ich wachsen werde, so kann ich mir doch den Boden aussuchen, in dem ich das tue. Ich bin optimistisch....

Mittwoch, 5. August 2009

Väter vergebens.

Man kann versuchen den Keim der Jugend in Beton zu fassen, ihn im starren Fundament der eigenen Prinzipien zu versenken. Doch der Keim schlägt Wurzeln und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Baum mit seinen Ausläufen die Straße sprengt, eine Frage der Zeit und der Saat. Denn mancher wird ein Baum, so oder so, nährt er sich in jedem Boden.

Dylan.

Der wichtigste Freund kann uns nur ein Musiker sein. Eine solche Existenz, durch bloße Stimme ist einmalig. Wir können so allein mit ihm sein und sind es ja doch nicht. Begleiter, stillt durstigen, aufgewühlten Geist, streicht uns Gänsehaut auf den Arm, malt uns ein Lächeln um die Backen und ringt uns Tränen ab. So viel hat man zusammen erlebt und ist so intim dabei geworden wie noch mit keinem Menschen. Alles weiß er auf wundersame Weise und man braucht es ihm nicht mal zu sagen. Beichte.

Mein Firnament.

Sehnsüchtig das Bett suchend lief ich nach Hause. Aber am Himmel, was war das für ein Mond dort oben. Er erleuchtete alle Wege, überstrahlte, mächtig am dunklen Horizont hängend, alle Stern, die es dort sonst noch gab. Dieser Mond wollt ich sein, heller als alles andere, die Welt ausgeleuchtet haben, andere im eigenen Licht verblassen lassen, dieser Mond wollt ich sein. Nein keine Sonne, am Tage kann jeder scheinen, in der Nacht zeigt sich wahrer Schein, Größe, Mächtigkeit und Ausmaß. Aber zunächst schlafen. Schlafen, träumen vielleicht.