Es müsste eigentlich Nacht und damit dunkel sein, doch der Himmel schummert leise über mir, als ich durch die Straßen spaziere. Der falsche Schein der Laternen, der Autos und der Wohnhäuser lügt den Tag ans Himmelzelt und schämt sich noch nicht mal dafür. Ums Eck kommt ein Punk. Einer von den klischeehaften. Bestimmt noch unter 20, präsentiert er den blonden Iro stolz als Kopfschmuck, seine Ketten an der schwarzen Hose, klimpern. Seine Ohren zittern unter der Folter der lauten Musik. Wie das halt so ist, mit den Punks. Und wenn der jetzt auf einen Klischee Mercedes Fahrer, Ende 50, trifft, dann werden sich die zwei wohl anbrüllen. "Geh mal arbeiten!", von rechts. "Geh du doch mal saufen!", von links. Ein bisschen hin und hergemucke und beide gehen ihres Weges, zufrieden, da sich ihr Bild von der Gesellschaft aufs neue bestätigt hat. Die brauchen das beide, so ab und zu mal.
Später dann beim Bankgebäude Graffitis auf der Wand. "Es war nicht alles schlecht im Kapitalismus!", steht da unter anderem und das ist noch einer der geistreichsten Sprüche dort. Wahrscheinlich war es auch noch ein Bankkaufmann, der dort tagsüber arbeitet und die Spraydosen von seinem Gehalt bezahlt hat, der das dort hingesprüht hat. Es geht ja auch nicht darum die Banken im Land irgendwann mal in die Knie zu zwingen. Um Gottes Willen. Es geht nur darum, dass man Leute braucht, die in der Bank arbeiten und das große Geld machen und dann brauch man solche, die Graffitis sprayen. Das ganze läuft auf kein Ziel hinaus, es bestätigt nur beide Seiten in ihrer Existenz, festigt ihren Platz. Nichts bewegt sich. Alles Routine, kommt immer wieder, muss so sein, alle lachen drüber, reden drüber, reden immer das gleiche, tun immer das gleiche. Bewirken nichts.
Montag, 29. Juni 2009
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