Montag, 24. August 2009
Der Fuchs und das Chamäleon.
Über dem Café Nihil leuchteten stets die Sterne. Warum auch immer, hier war die Nacht am schönsten, hier konnte man sie am besten genießen. Ich saß in der Ecke, auf meiner Couch. Die Wände waren weiß, das Mobiliar schwarz. Im Allgemeinen war hier eigentlich alles sehr monochrom gehalten und das traf sogar auf die Gäste zu. „Suicide Jesus, what happened to the revolution?“ stand hinter mir an der Wand. Diesen Spruch hatte ich schon immer geliebt, deshalb war das hier mein Lieblingsplatz in meinem Lieblingscafé. Und es wäre ein Abend wie jeder andere für mich und mein Chamäleon geworden, wäre sie nicht plötzlich aufgetaucht. Beine, lang, bis in die Hölle hinab. Eine Haut von weißer Asche, kohlschwarze Haare. Glühende Lippen. Ihr Fuchsschweif strich sanft den Türrahmen, als sie eintrat. Ich teerte meine Lunge, das Chamäleon wurde wach. Ihre Aura füllte nach und nach den ganzen Raum und ich versuchte sie mit dem Rauch zusammen einzuatmen. Ein bittersüßer Geschmack, im Kern unbeschreiblich. Nicht unbeschreiblich schön oder so etwas, nein, einfach undefinierbar, geheimnisvoll, Umwoben von Schatten, die ich zu erkennen versuchte, dabei scheiterte, mir aber schwor sie zu erleuchten. Ich erhob mich. Das Chamäleon in meiner Brust schnalzte mit der Zunge, flimmerte, bildete, immer von neuem und fand den Schlüssel aber nicht. Gänzlich blind schien es dieses Mal, obwohl ihm keine Grenzen gesetzt waren. Aber ich würde den Fuchs schon zähmen.
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