Dienstag, 12. Mai 2009
Auf der Blumenweide.
Im scharfen Wind kreuzen sich die Klingen des Baumes. Wenn er sie durchfliegt klingen Klaviertasten, hoch und schrill und werden Ton für Ton hinfortgetragen. Ich lehne am Stamm und es blitzt über mir, der Himmel leuchtet und es ist eigentlich Tag, aber um mich herum alles dunkel. Alles dunkel. Ich lache verkrampft und beiße mir mit dem Schneidezahn auf die Unterlippe bis ich blute. Und dann fall ich auf die Knie, höre das Klavier, schmecke mein Blut, spüre die Erde, ja die Erde, wie sie nach mir giert und sich verzehrt. Mein süßes Blut. Blitze, immer mehr Blitze klirren durch den Tag. Ich strauchel, stürze hinab, eine Sprosse vielleicht, aber nicht mehr. Bin am Boden und schau hinauf. Im Wipfel des Baumes versammeln sich die Arsenale um herabzustürzen, wenn der Wind sie pflückt, wenn der Blizt sie schlägt. Warum nicht sterben, sterben mit dem süßlichen Geschmack im Mund, sterben und von den Ameisen hinfortgetragen werden. Das Gras sticht, schwarzes Gras, von der Sonne verbrüht, verdorrt, zerbrannt und verdorben. Fast schwarz wie Kohlen ist mein Bett. Möge der Blitz mich treffen, möge der Blitz auch den Baum treffen und das Gras und die Ameisen und alles.
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