Dienstag, 14. April 2009

Vorbei, Verloren, auf immer.

Ich denke ich war 8 Jahre alt. Ich erinnere mich weniger an die genauen Geschehnisse, als an das, was es in mir bewirkt hat, deshalb kann ich die Geshcichte auch nur grob und stilisiert, wie man ein Gleichniss, ein Märchen oder eine Parabel vielleicht erzählt, wiedergeben.
Es war ein Frühlingstag wie heute, doch schon so warm, dass man ihn eigentlich eher dem Sommer zurechnen muss. Eine geheimnisvolle Nachricht ging da um. Unten am Bach, in der Nähe von der kleinen Bank unter der Weide, wo auch der Schrein steht, dort soll eine Tüte liegen. Zwischen dem hohen Gras an den steilen, kurzen Hügeln, durch dessen Tal sich der Bach seinen Weg gefressen hat. Ein Obdachloser soll diese Tüte dort deponiert haben, ihr Inhalt: Alkohol. Ein Schatz. Ganz und gar nicht, weil ich gewusst hätte was damit anzufangen war, nein, das genaue Gegenteil war der Fall. Eben weil ich nicht wusste, was damit anzufangen war, oder was die Erwachsenen damit anzufangen pflegen, eben aus diesem Grunde war es ein Schatz. Also ging ich hin, hinunter zum Bach, an die Stelle bei dem Schrein am Wegesrand unter der großen Weide, nebst der Bank, auf der an solchen Tagen die Spazierer, Walker und Jogger Rast machten und verschnauften. Es war Abend, das Abendessen im Bauch lief ich auf den Schatz zu. Ängstlich war ich, nervös, es kribbelte in mir, ich wusste, dass ich etwas verlies. Ich wusste, dass ich nun einen Blick auf die Welt hinter der Welt, auf den Backstagebereich des Lebens werfen würde, auch wenn mir damals der Verstand fehlte um dieses so auszudrücken und zu begreifen. Ich schaute mich mehrmals um, dass mich auch ja keiner zu sehen vermochte, als ich dann schließlich auf Höhe der Bank angekommen den Hügel hinabstieg. Vorbei an dem schönen Marienschrein, der dort stand, geschmückt mit Blumen, die Vorbeigehende dort hingelegt hatten und mit einem goldenen, in der Abendsonne orange, schimmernden Dach. Ich ging daran vorbei und stieg hinab. Das hohe Gras teilte ich vor mir, wie einen Vorhang. Ich wusste ja nicht wo genau die Tüte läge und musste deshalb eine Weile suchen. Und da passierte es, dass ich auf einmal auf etwas festem, rundem ausrutschte und in den Bach fiel. Das Wasser war ja Gott sei Dank nicht tief, also berappelte ich mich wieder und schaute nach dem Auslöser meines unglücklichen Abstieges. Das war sie. Das war die Tüte, eine billige Plastiktüte, rot und grün, Werbeaufschriften darauf. Die Gänsehaut spielte Laola auf meinem Körper, es fror mich und gleichzeitig war mir heiß. Ich berührte die Tüte mit meiner Hand und sie knisterte, wie ein gefährliches Feuer. Ich glaubte mir die Finger zu verbrennen, auch wenn ich durch und durch nass war. Das Rauschen des Baches im Hintergrund verschwand nach und nach, bis es schließlich meine Ohren völlig mied. Diese Tüte barg in diesem Moment eines der Geheimnisse des Lebens in sich. Ich wollte es lüften und konnte es ja doch nicht, da mir der Verstand fehlte, öffnete sie trotzdem und holte eine Flasche nach der anderen heraus. War begeistert, der Welt entflohen. Ich fühlte mich wie ein Magier, der in einer geheimen Höhle die wundersamsten Zaubertränke gefunden hatte. Die Flüssigkeiten hatten Farben, die ich sonst nur selten gesehen hatte und wenn, dann nur aus Distanz. Ich hielt sie jetzt in den Händen. Eine Flasche glasklar, die andere ölig braun schimmernd, wieder eine grünlich leuchtend. Ich war wie bezaubert und beschloss bald wiederzukommen.
Als ich sie fein säuberlich zurückgelegt und die Tüte verstaut hatte, wirkte dieses Gefühl des Verbotenen in mir immer noch nach. Dass Adrenalin schwand nur langsam und das alles obwohl ich nicht einmal verstand um was es ging, ich wusste nur, dass es nichts für mich war. So stieg ich hinauf, zwischen Schrein und Tüte, zwischen Himmel und Hölle und wusste nicht mehr genau wohin ich eigentlich gehören wollte. Wenn das, das Böse war, so muss man so ehrlich sein und dieser Hälfte des Lebens die Magie zusprechen, welche die andere nicht im Stande war auszuüben und zu wirken.

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