Ich danke Gott, nein nicht Gott, aber auf jeden Fall irgendjemandem, dass ich nicht zur Nachkriegsgeneration gehört habe, zu den 68ern. Ich wäre untergegangen. Ich hätte als junger Mensch in keiner Gesellschaft leben können, in der bald ein jeder ein Mörder war. Mit dieser allgegenwärtigen, vertuschten Schuld, mit dieser "hey, natürlich haben wir ein paar Millionen getötet, aber Kopf hoch, das Leben muss schließlich weitergehen" - Mentalität hätte ich nicht leben können, dieses stille, verborgene Grauen überall hätte mich erstickt.
Nun lebe ich heute. Und wie ist es heute? Sind wir ohne Schuld? Sind unsere Eltern, die Nachkriegsgeneration, ohne Schuld? Nein. Wir halten uns die Zwangsarbeiter auf fremden Kontinenten, lassen die stummen Massen dort sterben. Und ja es ist auch Mord einem Hungernden nichts zu essen zu geben, wenn man es eigentlich hätte. Somit müsste ich auch eigentlich heute ersticken. Aber wir haben das sehr geschickt gelöst, haben das Leid, das Elend, damit die Schuld verbannt. Daher kann ich nicht ersticken, wie so viele andere auch, kann mich nicht wehren, kann nicht kämpfen, weil wir auf schreckliche Weise so intelligent waren uns selbst auszutricksen. Haben uns in ein Licht gestellt und bedienen die Scheinwerfer.
Dienstag, 28. April 2009
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