Sonntag, 24. Mai 2009

Medikation.

Ich ziehe, es glimmt. Ich trinke, nehme einen Schluck, es schwappt und schäumt. Mein Blick streift die Dächer, klebt fest an den wenigen, noch hellen Fenstern. Nach und nach gehen sie alle aus. In der ferne fährt die letzte S-Bahn ab, rattert, macht dumpfe Schläge, wenn sie die Narben, an denen zwei Schienenteile zusammengehalten werden, überrollt und verstummt aber schließlich. Kirchtürme mit ihren großen Uhren klirren zusammen, wie Eiszapfen, die man mit Gummihämmern aus Filz zerschlägt. Ich versuche einen großen Gedanken zu fassen, aber der größte Gedanke, der mir einfällt, ist, dass das an Nichts denken wohl der größte Gedanke überhaupt ist. Ich sedimentiere, meditiere, halte mir von innen die Pistole an die Stellen, wo es schmerzt. Ich drücke ab und mein Geist ist frei.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Talfest.

Meistens ist es kein Problem. Wenn ich von Menschen umgeben bin, wenn ich was tue, unterwegs bin, dann knüpfen alle ein Netz an mich. Sie tragen mich, fangen mich und haben mich und all mein Denken in ihrer Gewalt. Nur wenn ich alleine bin ist es schlimm. Wenn ich anfange nachzudenken löst sich jeder Knoten, den ich zu irgendjemandem geknüpft habe. Grobmaschig ist das Netz jetzt, da fällt viel hindurch und dann ist da irgendwann nichts mehr was mich targen kann, was mich auffängt. Da bin nur ich, nur ich bin da und wenn ich es mit mir alleine nicht schaffe, dann schaffe ich es auch mit sonst niemandem.

Sonntag, 17. Mai 2009

Ja.

Gerade ist einer der schönsten Momente meines Lebens und ich darf keinem sagen warum.

Ein Gedanke, wie ein gerader Korkenzieher.

...und einmal, da bin ich so weit gekommen und war doch wieder unter der Glocke, die mein Schreien schlingte und nach aussen stumm schlug, weil es auf der Welt auch die Welt und nicht nur dich und mich, nein, eben eine ganze Welt gab. Mit jedem Stolperstein und jeder Narbe auf meiner Haut. Und gar so viele unsichtbare Dinge, die zwischen uns stehen, oder sitzen, oder liegen...sind sie denn da? Zwischen Hier und Dort, zwischen zwei Wimpernschlägen, zwischen halbvollen und halbleeren Lippen mögen ein, zwei Welten liegen. Ich würde es mit ihnen aufnehmen, wenn ich nur wüsste, dass ich es auch wöllte.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Und ich zähle runter...

Auf der Suche nach Stille streife ich durchs hohe Gras, hinauf auf ein Plateau. Ich lass mich fallen. Der Himmel ist grau, die Ähren der blassbraunen Getreidefelder beugen sich dem trüben Wind, der von den Städten weht. Auf den Blütenköpfen der Blumen summen die fernen Geräusche der Autos. Ein Vogel lässt sich stumm auf einem Strommasten nieder, es singt aber der Mast. Er schaut nach oben zu seinem eisernen, großen Bruder, der dort oben, viel weiter oben, donnernd grollt.
Der Himmel aber weint still und heimlich Freudentränen, weil er in der Ferne die schließlich dunkle Nacht sehen kann, keine Laterne mehr da sie zu trüben, wie ein schwarzes Siegel auf ein viel zu langes Buch. Und nach und nach übertönt das Prasseln der Tropfen alles um mich herum. Wasser wäscht über die Straßen.

Dienstag, 12. Mai 2009

Auf der Blumenweide.

Im scharfen Wind kreuzen sich die Klingen des Baumes. Wenn er sie durchfliegt klingen Klaviertasten, hoch und schrill und werden Ton für Ton hinfortgetragen. Ich lehne am Stamm und es blitzt über mir, der Himmel leuchtet und es ist eigentlich Tag, aber um mich herum alles dunkel. Alles dunkel. Ich lache verkrampft und beiße mir mit dem Schneidezahn auf die Unterlippe bis ich blute. Und dann fall ich auf die Knie, höre das Klavier, schmecke mein Blut, spüre die Erde, ja die Erde, wie sie nach mir giert und sich verzehrt. Mein süßes Blut. Blitze, immer mehr Blitze klirren durch den Tag. Ich strauchel, stürze hinab, eine Sprosse vielleicht, aber nicht mehr. Bin am Boden und schau hinauf. Im Wipfel des Baumes versammeln sich die Arsenale um herabzustürzen, wenn der Wind sie pflückt, wenn der Blizt sie schlägt. Warum nicht sterben, sterben mit dem süßlichen Geschmack im Mund, sterben und von den Ameisen hinfortgetragen werden. Das Gras sticht, schwarzes Gras, von der Sonne verbrüht, verdorrt, zerbrannt und verdorben. Fast schwarz wie Kohlen ist mein Bett. Möge der Blitz mich treffen, möge der Blitz auch den Baum treffen und das Gras und die Ameisen und alles.

Sonntag, 10. Mai 2009

Zu weit.

Wir sind die Leiter wohl eine Sprosse zu weit nach oben geklettert. Nachdem wir alles in allen Bereichen perfektioniert haben, die Welt geformt, Gott gespielt haben, ist der Mensch der letzte, der eigentliche, der Urstörfaktor. Und man kann in solch einer Welt nicht leben und es hat noch niemand einen Ausweg angeboten. Ich warte.

Donnerstag, 7. Mai 2009

HOT HOT HOT!

Kennt ihr das Gefühl? Ihr lauft eine Straße entlang und hört Musik. Plötzlich kommt dieses Lied. Eine Gitarre zittert, wie ein Umspannungswerk und die Elektrizität strömt durch den Körper. Man hat das Gefühl man sei mit einem mal unbesiegbar, ein Held, ein Gott, eine Aura, die zuckt und brennend heiß flimmert umgibt einen. Unter den Füßen bilden sich Risse im Teer, kleine Inseln brechen aus der Straße heraus, beben, fliegen hoch. Die kontinuierlichen Trommelschläge der Musik, wie Kometen, die auf die Erde einstürzen. Schwarze Wolken reihen sich um die Sonne und wie bei einem Brennglas werden ihre Strahlen nun verstärkt, züngeln auf die Erde nieder und alles glüht auf einmal in gleißendem Licht. Man möchte jetzt nur noch den Boden unter den Füßen verlieren, schweben, davonfliegen. Kennt ihr das?

Montag, 4. Mai 2009

Früher hätte ich nicht Leonard Cohen gehört.

Ich finde Cool Up mittlerweile widerlich. Biermixgetränke, nein danke, nur Radler. Die Luft knistert auch nicht mehr, wenn man beim Altstadtfest die Erleninsel betritt, so wie das mal war, als Alkopops noch bezahlbar und Mädchen wie Quantenphysik waren...man wusste ein wenig über sie, aber alles in allem war das doch sehr mysteriös. Einen IPod konnte sich niemand leisten, auf Lunge rauchen konnte man auch noch nicht wirklich. Ich schon zwei mal nicht. Und doch war es schöner das Fliegen zu lernen, als nun alleine zu kreisen. Kennt jemand die Möwe Jonathan? Ja ich bin diese Möwe. Moos am Baum, leere Nester in der Krone, der Wind weht im Kreis, das Herz schlägt nach rechts und links und über allem thront ein Gedanke: Es ist Zeit zu gehen.

Sonntag, 3. Mai 2009

Schlimm.

Die Gesellschaft ist so rund geworden, man kann nirgends mehr anecken.