Donnerstag, 30. April 2009

Liebe.

Unsere Seelen teilen die gleichen Narben. Wenn sich unsere Hände berühren, einen Kreis bilden, schließen sie eine Sonne, so heiß, dass jede Träne darin zu Silber verglüht. Unsere Leben geraten auf die Umlaufbahn, umkreisen sie, wie eine Motte die Taschenlampe in größter Dunkelheit. Ein Erdbeben erschüttert unsere Brust und lässt uns sicherer stehen als je zuvor, nein, gibt uns gar erst etwas auf dem wir stehen können, wenn am Horizont die Erde gen Westen zieht und schließlich untergeht.

Dienstag, 28. April 2009

Schuld.

Ich danke Gott, nein nicht Gott, aber auf jeden Fall irgendjemandem, dass ich nicht zur Nachkriegsgeneration gehört habe, zu den 68ern. Ich wäre untergegangen. Ich hätte als junger Mensch in keiner Gesellschaft leben können, in der bald ein jeder ein Mörder war. Mit dieser allgegenwärtigen, vertuschten Schuld, mit dieser "hey, natürlich haben wir ein paar Millionen getötet, aber Kopf hoch, das Leben muss schließlich weitergehen" - Mentalität hätte ich nicht leben können, dieses stille, verborgene Grauen überall hätte mich erstickt.
Nun lebe ich heute. Und wie ist es heute? Sind wir ohne Schuld? Sind unsere Eltern, die Nachkriegsgeneration, ohne Schuld? Nein. Wir halten uns die Zwangsarbeiter auf fremden Kontinenten, lassen die stummen Massen dort sterben. Und ja es ist auch Mord einem Hungernden nichts zu essen zu geben, wenn man es eigentlich hätte. Somit müsste ich auch eigentlich heute ersticken. Aber wir haben das sehr geschickt gelöst, haben das Leid, das Elend, damit die Schuld verbannt. Daher kann ich nicht ersticken, wie so viele andere auch, kann mich nicht wehren, kann nicht kämpfen, weil wir auf schreckliche Weise so intelligent waren uns selbst auszutricksen. Haben uns in ein Licht gestellt und bedienen die Scheinwerfer.

Schwerter zu Zapfhähnen - oder: Geschichte wiederholt sich!

Mal wieder um die Häuser ziehen. Mal wieder heimkommen, wenn der Vermieter ins Geschäft fährt. Mal wieder etwas provokativ angezogen sein und auf dem Weg ein paar Mülltonnen umkicken, ein paar Anwohner auslachen, die aus ihren Fenstern schreien. Mal wieder laut singen und rauchen bis alle is. Mal wieder was an die Wände sprühen. Mal wieder von Bar zu Bar ziehen, in jeder auf durchgesessenen Sofas sitzen, Schlückchen Bier, nen' Kurzen. Herrengedeck. Rote Kerzen, rote Diskussionen. Jaja, alle Menschen sind gleich. Mal wieder diese Romantik der Unabhängigkeit und der Unverbrauchtheit spüren. Mal wieder denken, dass am nächsten Morgen nicht mehr die Sonne, sondern der Mond aufgeht und das nur wegen dieser Nacht. Das ganze mal wieder durchspielen. Eine Zukunft sehen, verschwommen zwar, aber doch da vorne irgendwo.

Sonntag, 26. April 2009

Ikarus, flieg!

Es beruhigt mich immer wieder den Eiswürfeln in meinem Glas beim schmelzen zuzuschauen. Zum Schluss liegen ein paar Splitter am Boden des Glases und versinken in einer Lösung aus einem leichten Rest Alkohol und Wasser. Ich schaue also in das Glas wie in einen Spiegel, gebrochen bin ich, ein Alkoholdunst umgibt mich und langsam schmelze ich auf dem Barhocker dahin und ich weiß ganz genau, dass wenn ich nicht bald gehe, dass ich dann ebenfalls auf dem Boden enden werden, verschwitzt und dahinsiechend. Saufen ist bestimmt nicht das Schlechteste was man auf dieser Welt machen kann, wenigstens schade ich damit niemandem.
Wer in dieser Welt permanent glücklich ist, der ist entweder gläubig, auf irgendetwas hängengeblieben oder im fehlt der Horizont sein eigenes Leben von außen zu betrachten. Da ich weder gläubig, noch ein Junkie bin und außerdem leider mal einen Schritt zu weit gedacht habe und dabei von der flachen Erde der Menschen hier, diese Scheibe, runtergefallen bin, deshalb krieche ich, wo andere durchs Leben gehen und fliege aber auch, ja. Ab und zu fliege ich und das könnt ihr nicht. Irgendwann schmelzen mir die Flügel zwar, wenn ich zu nah an der Sonne war, aber sie erstarren auch wieder und spannen sich von neuem und der Sonne komme ich immer näher dabei.

Ich bezahl die Rechnung, stehe auf und gehe.

Samstag, 25. April 2009

Es ist Revolution aber keiner geht hin.

Du sitzt am Tisch, hast die Vorspeise gerade vertilgt, jetzt kommt das Hauptgericht. Da liegt eigentlich viel auf den Tellern, das wert wäre verspeist zu werden, Iustitia serviert die bessere Zukunft, Utopia. Es duftet, doch du riechst es nicht mehr. Du rührst es nicht an, du warst vorher beim Burger King und du bist satt, so satt, man hat dich vollgestopft, bis du dich nicht mehr rühren kannst. Und überhaupt weißt du nicht mal mehr wie man Messer und Gabel bedient.

Im Schützengraben.

Mein Leben, nein, was sage ich, der Krieg, denn das ist hier kein Leben, dass ist der Krieg, ist zur Zeit 3 Meter tief. Die steilen Wände erlauben einen Blick durch die verschiedensten Erdschichten, nach unten immer dunkler und fester werdend, fast schon wie Lehm, den man mit Asche bestreut hat. Regenwürmer winden sich in dieser Narbe quer durch die Landschaft, abgehackte Wurzeln bluten hier aus. Man liegt hier mit einem Gewehr in den Händen für 4 Stunden Wache, oder eben wenns schief läuft für immer. Am Scheitel des Grabens Urinpfützen, Zigarettenstummel, ein Pik Ass aus einem Kartenspiel und der Keim für das Unkraut, welches ein Leben lang in meinem Kopf wuchert, wird hier gesät, von der grausamen Sonne am Himmel genährt. Das einzige, was hier zu einem Leben findet.


Montag, 8. September 2008

Massensuizid von US-Soldaten im Irak

Sechzehn US-Soldaten von der 57. Einheit der Airborn Division haben Selbstmord innerhalb ihrer Militärbasis im Irak vor 27 Tagen begangen, berichtet die Fars Nachrichtenagentur, die sich auf Sicherheitsquellen beruft.

Laut dieser Quelle, wurden 21 Soldaten im Spital behandelt, aber nur fünf überlebten in kritischen Zustand. Laut Sicherheitsoffiziellen benutzten sie starke Drogen um sich zu töten.

Das Motiv für den Massenselbstmord ist nicht bekannt, aber laut irakischen Quellen gehören die Soldaten zur 57. Einheit der US Airborn Division, welche für das Massaker von mehreren irakischen Familien, hauptsächlich Frauen und Kinder, im Norden Bagdads verantwortlich sind, sagte Ali al-Baghdadi, ein irakischer Sicherheitsbeamter.

Der Selbstmord fand im Schlafsaal der Soldaten nach dem Abendessen statt. „Die Körper der US-Soldaten haben sich so verformt, dass sie wie 5000 Jahre alte Mumien aussahen,“ erzählte ein Zeuge.

Laut Angaben von irakischen Beamten, wird die Anzahl US-Soldaten die sich seit der Invasion des Irak im Jahre 2003 umgebracht haben, auf 600 gezählt, einschliesslich höherer Offiziere. Die Hälfte der Selbstmordversuche waren erfolgreich. (presstv)

Stark steigende Selbstmordzahlen

Jeden Tag versuchen fünf US-Soldaten sich umzubringen. Vor dem Irakkrieg, war diese Zahl weniger als ein Suizidversuch pro Tag.

Die dramatische Steigerung wurde durch neue Zahlen des US-Militärs bekannt, welche zeigen, dass 2'100 Soldaten versucht haben sich im Jahre 2007 umzubringen.

Die Selbstmordversuche steigen kontinuierlich und sind in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen,“ sagte Oberst Elspeth Cameron-Ritchie, ein Armeepsychiater. (cnn)

Freitag, 24. April 2009

Bonaparte.

Ich war gestern auf einem Konzert. Es war toll, mal wieder eine andre Welt. Aber es ist doch so, über irgendwelche Gefühlsausbrüche bei Konzerten haben schon so viele Menschen ihren Senf dazu gegeben, es haben schon genug darüber geschrieben, wie sie gegen die Masse gekämpft haben, auf einmal nur noch die Masse waren, wie sie diesen Geruch von Schweiß und Alkohol vernommen haben und einem ja eigentlich übel werden müsste, man aber bei diesem Geruch nur noch geiler wird, dass man in dieser Atmosphäre dann Dinge tut, die man sonst nicht tun würde, sich auf einmal auszieht, klitschnass, wie man ist, all das....das wurde alles schon mal gesagt, deswegen finde ich es doof über Konzerte zu schreiben.

http://www.bruecken-festival.de/2008/images/bonaparte.jpg

Dienstag, 21. April 2009

Ansichten eines Clowns.

Habe mich dabei ertappt, wie ich das Profil eines Mädchens angeklickt habe, nur weil sie sich auf ihrem Profilbild mit so einer monströsen Indie-Brille abgelichtet hat, schlichtes Gestell, rießige Gläser. Das ist all das, was ich eigentlich verabscheue, all das. Aber das scheint wohl der Fluch des Menschen zu sein und damit bin ich gezwungen mitzumachen. Versteht ihr mich?

Mal etwas persönliches...

Sich eine Zigarette zu drehen ist wie eine Schallplatte hören oder etwa wie angeln. Es hat so etwas von einer Prozedur, etwas schier meditatives, man bereitet sich auf einen Genuss vor. Man wartet, verbraucht Zeit. Diese Zeit investiert man, sie ist keinesfalls verloren, diese Zeit ist Vorfreude, gehört zum Ganzen dazu. Und selbst wenn ich eine Schachtel am Automat kaufen könnte, selbst wenn ich MP3 hören könnte oder mir den Fisch beim Edeka im Kühlregal holen könnte, ich ziehe die zeitaufwendigere Methode vor, denn je schneller wir etwas bekommen desto weniger ist uns bewusst wie wertvoll das ist, was wir bekommen und umso weniger sind wir damit zufrieden, was wir bekommen.

Sonntag, 19. April 2009

Der Tod des Schokohasen Karl.

Vom Himmel fallen wir auf die Erde. Das Atmen, Sitzen, Laufen und später vielleicht das Denken, wir müssen uns das alles selbst beibringen, ich habe mir das alles selbst beigebracht und weiß nicht wie. Ich, ich, ich. Diese Welt gab mir nur mich selbst, so ist alles was ich ihr je geben kann, ich selbst. Und alles was ich hier nur werden kann ist ich, ich, ich. Werden und nicht Sein, bis mich schließlich der Himmel wieder aufnimmt, mich säubert und behutsam zurück in den Schrank stellt, bis ich irgendwann wieder gebraucht werde und von neuem heruntersteige, von neuem wie eine Nadel die Schallplatte entlangfahr. Bis die Musik aus ist. Bis sie aus ist, die Nadel stumpf gezeichnet.

Was man Gott fragen könnte...

Warum ist mein Leben nicht eine unendliche Szene aus einem Quentin Tarantino Film?

Warum kann ich mein Leben nicht mit Photoshop bearbeiten, mehr Kontrast, pralle Farben?

Warum muss ich 40 Jahre meines Lebens hergeben, nur damit ich überleben kann?

Was ist das Verwerfliche an Drogen?

Junge, was ist dein Problem mit Polygamie?

Warum denken wir, dass menschliches Leben heilig ist und treten es gleichzeitig mit Füßen?

Warum führen wir Menschen so selten wirklich gute Gespräche?

Und das wichtigste...warum setzt du mich eigentlich in eine Welt in der es mir unmöglich ist an dich zu glauben, wenn du doch derjenige warst, der sie erschaffen hat.

Samstag, 18. April 2009

Übertrieben? Vielleicht.

Auf diesem Boden wächst kein Gras mehr, niemals, dachte ich, als ich das Firmengelände betrat. Meine Schritte hinterließen nicht mal mehr den Hauch eines Abdruckes auf der ganz und gar vertrockneten, verkrusteten Erde. Ein nett dreinblickender Herr in einem eleganten schwarzen Anzug, der hier so gar nicht ins Bild passte, empfing mich und wollte mich zum Eingang geleiten. Wie kann man sich hier eigentlich wohlfühlen, wenn man nur einmal etwas um sich blickt, dachte ich. Die immense Fabrik ragte hoch in den Himmel, die Schornsteine waren drauf und dran den Himmel, der anderswo so schön blau strahlen konnte, hier aber vom Ruß grau und wolkenverhangen war, zu erstechen, auf das sich das ganze Gift, das hier in die Luft geblasen wurde in einem Aderlass schwarzen Rußes über das Gelände ergießen sollte. Weit und breit sah man keinen grünen Fleck, keinen Farbtupfer, es gab hier nur die Fabrik.
"Wenn sie mir bitte folgen würden", bemerkte der elegante Mann im Anzug mit einer Bewegung, die mich durch die schwere, monumental große Eisentür, die aus zwei vernieteten Flügeln bestand, geleiten sollte. Ich überquerte die Schwelle ins Nichts. Hatte es draussen wenigstens noch nach Schwefel, Kohlenmonoxid und etwas Benzin gerochen, so roch es hier drin nach gar nichts mehr. Überhaupt hatte in der rießigen Halle in der ich mich jetzt befand, so einiges aufgehört zu existieren.
"Kommen sie doch mit, ich zeige ihnen unsere Apparate". "Ja natürlich", antwortete ich. Aber was ich dann sehen musste, muss eigentlich einen jeden Menschen erschüttern, ihn, wie ein Schlag mitten in die Fresse, umhauen, ihm die Seele vergewaltigen...aber das tat es nicht, zumindest nicht bei mir. Ich war aus geschäftlichen Gründen hier, ich konnte mir das jetzt nicht leisten und überhaupt hatte ich schon zu viel gesehen. "Der Apparat" war ein Trichter, so ungefähr zwei auf zwei meter groß und nach unten schmäler werdend, bis er schließlich in einem Schacht endete, der dann eine Kurve nahm, immer dünner wurde und letztlich in eine ovale Öffnung mündete, die ungefähr die Größe eines Ei hatte. Oben fielen mehrere Menschen in den Trichter, am Ende des Apparates saß ein Einzelner und nuckelte an dem ovalen Mundstück. Der Führer im eleganten Anzug versicherte mir, dass als Futter nur Menschen der Handelsklasse 2 und 3 verwendet würden, Wilde und Unzivilsierte, Menschen, denen das vermeindliche Bewusstsein, welches wir besitzen, fehlt. Ob der Konsument, denn auch Pausen machen würde. Nein, der säße da nur Tag für Tag und werde fetter. Was das eigentlich für einen Sinn habe. Doch auf diese Frage antwortete der Mann im Anzug nur mit einer verstört dreinblickenden Fratze und bestürzt fragte er mich, was das denn für eine bescheuerte Frage sei.

Dienstag, 14. April 2009

Vorbei, Verloren, auf immer.

Ich denke ich war 8 Jahre alt. Ich erinnere mich weniger an die genauen Geschehnisse, als an das, was es in mir bewirkt hat, deshalb kann ich die Geshcichte auch nur grob und stilisiert, wie man ein Gleichniss, ein Märchen oder eine Parabel vielleicht erzählt, wiedergeben.
Es war ein Frühlingstag wie heute, doch schon so warm, dass man ihn eigentlich eher dem Sommer zurechnen muss. Eine geheimnisvolle Nachricht ging da um. Unten am Bach, in der Nähe von der kleinen Bank unter der Weide, wo auch der Schrein steht, dort soll eine Tüte liegen. Zwischen dem hohen Gras an den steilen, kurzen Hügeln, durch dessen Tal sich der Bach seinen Weg gefressen hat. Ein Obdachloser soll diese Tüte dort deponiert haben, ihr Inhalt: Alkohol. Ein Schatz. Ganz und gar nicht, weil ich gewusst hätte was damit anzufangen war, nein, das genaue Gegenteil war der Fall. Eben weil ich nicht wusste, was damit anzufangen war, oder was die Erwachsenen damit anzufangen pflegen, eben aus diesem Grunde war es ein Schatz. Also ging ich hin, hinunter zum Bach, an die Stelle bei dem Schrein am Wegesrand unter der großen Weide, nebst der Bank, auf der an solchen Tagen die Spazierer, Walker und Jogger Rast machten und verschnauften. Es war Abend, das Abendessen im Bauch lief ich auf den Schatz zu. Ängstlich war ich, nervös, es kribbelte in mir, ich wusste, dass ich etwas verlies. Ich wusste, dass ich nun einen Blick auf die Welt hinter der Welt, auf den Backstagebereich des Lebens werfen würde, auch wenn mir damals der Verstand fehlte um dieses so auszudrücken und zu begreifen. Ich schaute mich mehrmals um, dass mich auch ja keiner zu sehen vermochte, als ich dann schließlich auf Höhe der Bank angekommen den Hügel hinabstieg. Vorbei an dem schönen Marienschrein, der dort stand, geschmückt mit Blumen, die Vorbeigehende dort hingelegt hatten und mit einem goldenen, in der Abendsonne orange, schimmernden Dach. Ich ging daran vorbei und stieg hinab. Das hohe Gras teilte ich vor mir, wie einen Vorhang. Ich wusste ja nicht wo genau die Tüte läge und musste deshalb eine Weile suchen. Und da passierte es, dass ich auf einmal auf etwas festem, rundem ausrutschte und in den Bach fiel. Das Wasser war ja Gott sei Dank nicht tief, also berappelte ich mich wieder und schaute nach dem Auslöser meines unglücklichen Abstieges. Das war sie. Das war die Tüte, eine billige Plastiktüte, rot und grün, Werbeaufschriften darauf. Die Gänsehaut spielte Laola auf meinem Körper, es fror mich und gleichzeitig war mir heiß. Ich berührte die Tüte mit meiner Hand und sie knisterte, wie ein gefährliches Feuer. Ich glaubte mir die Finger zu verbrennen, auch wenn ich durch und durch nass war. Das Rauschen des Baches im Hintergrund verschwand nach und nach, bis es schließlich meine Ohren völlig mied. Diese Tüte barg in diesem Moment eines der Geheimnisse des Lebens in sich. Ich wollte es lüften und konnte es ja doch nicht, da mir der Verstand fehlte, öffnete sie trotzdem und holte eine Flasche nach der anderen heraus. War begeistert, der Welt entflohen. Ich fühlte mich wie ein Magier, der in einer geheimen Höhle die wundersamsten Zaubertränke gefunden hatte. Die Flüssigkeiten hatten Farben, die ich sonst nur selten gesehen hatte und wenn, dann nur aus Distanz. Ich hielt sie jetzt in den Händen. Eine Flasche glasklar, die andere ölig braun schimmernd, wieder eine grünlich leuchtend. Ich war wie bezaubert und beschloss bald wiederzukommen.
Als ich sie fein säuberlich zurückgelegt und die Tüte verstaut hatte, wirkte dieses Gefühl des Verbotenen in mir immer noch nach. Dass Adrenalin schwand nur langsam und das alles obwohl ich nicht einmal verstand um was es ging, ich wusste nur, dass es nichts für mich war. So stieg ich hinauf, zwischen Schrein und Tüte, zwischen Himmel und Hölle und wusste nicht mehr genau wohin ich eigentlich gehören wollte. Wenn das, das Böse war, so muss man so ehrlich sein und dieser Hälfte des Lebens die Magie zusprechen, welche die andere nicht im Stande war auszuüben und zu wirken.

Montag, 13. April 2009

Morgen früh werde ich es hassen, das weiß ich jetzt schon...

Freiheit wäre seine Gedanken frei aussprechen zu können.
Freiheit wäre außerdem ein Leben ohne jemanden der einen beurteilt.
Freiheit wäre den Körper hinter sich zu lassen.
Freiheit wäre ein Kampf.
Freiheit wäre Burger King um halb 2, völlig Tunnelblickmäßig und scheiße bloggend, Wishbone Ash hörend und überhaupt, was wollt ihr eigentlich hier!

Freitag, 10. April 2009

In Freiheit verendet, oder so ähnlich.

Nasses Kopfsteinpflaster klackert unter meinen Stiefeln. Die Wände der Fachwerkgebäude um mich herum bewegen sich, schwanken wie eine Schiffsschaukel. Ich laufe durch die Altstadt. Hartes Pflaster, enge Gassen. Es tropft von den Laternen mit ihren großen illuminierten, runden Köpfen, deren Licht diffus in die Nacht strahlt, vom Regen verwischt. Ich stütze mich an einer Wand ab, reibe mich an ihr, versuche sie wegzuschieben, zu durchbrechen. Ich kämpfe gegen sie und selbst wenn ich gegen sie verlieren werde mache ich weiter. Eine Wand aus dem 19. Jahrhundert, ich von heute, im Rausch.
Später auf meinem Weg nach Hause, die Altstadt habe ich schon lange verlassen, ich bin wieder nüchtern, da streife ich über ein weites Feld. Der große Spiegel am Himmel, den man auch gemeinhin Mond nennt, lässt die weitläufige, freie Landschaft in einem wunderbaren Licht erstrahlen. Weicher Boden, freie Sicht. Hier kann man alles tun, im Licht und niemand sieht einen. Ich stehe vor einer Kreuzung und habe die Wahl zwischen drei Wegen, unendlich viele Wege. Alle kann man wählen, alle führen irgendwo hin. Mir wäre es aber lieber mir meinen eigenen Pfad zu treten, durch die Erde zu wühlen, sie umzugraben und irgendwo auf halber Strecke liegen zu bleiben, aber zu wissen, dass ich was neues erschaffen habe, erschöpft und glücklich. Unmöglich, da alles nur eine schlechte Wiederholung ist, wie im Fernsehen.

Das wird jetzt wohl niemand verstanden haben, aber hey: I blog because it is cheaper than therapy you know? ;-)

Montag, 6. April 2009

Trockener Hals und Herzraßen.

Soll ich euch die Geschichte vom Menschen erzählen?

Der erste Mensch, der sein kann was er will.
Der erste Mensch, der alles ist.
Der erste Mensch, der zu viel weiß.
Der erste Mensch, der früher oder später zur Rolle wird.
Der erste Mensch, der immer nur Attrappe bleibt.
Der erste Mensch, der alles gewesene sein kann.
Der erste Mensch, der nichts anderes mehr sein wird.

Ein Mensch ohne Mauer, ohne Käfig, ein Gefangener seiner Freiheit.

Sonntag, 5. April 2009

Satt.

Studiert nur was auch ne' Lobby hat. Frauen haben ein "Schwangerschaftsproblem" und sind deswegen im Beruf benachteiligt. G8, Bachelor, Master, nimm das bisschen was von dir übrig ist und schneid ihm alle Glieder ab. Die Wirtschaft braucht mehr Ingenieure, aber der Mensch braucht eigentlich weniger Wirtschaft, wie verträgt sich das? Von Politik weiß niemand mehr irgendwas und niemand will auch irgendwas wissen.
Diese Welt hat aufgehört für uns zu existieren. Wir exisitieren nun für diese Welt. Ein Geschwür, das mit aller Macht am Leben gehalten werden muss.

Samstag, 4. April 2009

Horizontal Optimal.

Der Fernseher läuft noch, obwohl der Mann auf der Couch schon seit Langem eingeschlafen ist. Ein Laptop wird angeboten, zwei Handys, eine Spielekonsole und am besten gleich noch ein Haus, ein Urlaub, eine Familie und ein ganzes Leben dazu, für 29,95€ monatlich, 500 Spaßminuten inklusive. Der kleine Zettel am T-Shirtkragen des Mannes auf dem "made in china" steht hat sich schon so in den speckigen Nacken eingepresst, dass er einen spiegelverkehrten Abdruck hinterlassen hat. Auf dem Tisch vor ihm stehen viele Gläser, alle leer, kein Saft mehr da, der sie füllen könnte. Der Saft ist schon lange weg.

Freitag, 3. April 2009