Freitag, 27. März 2009

Von oben herab in Sehnsucht und Abscheu.

Ich sitz' am Berg. Hexagometrische Gleichmäßigkeit fällt vom Himmel - so würde es Thomas Mann ausdrücken und dafür liebe ich ihn, für mehr aber auch nicht - und, da es langsam dunkelt, Stille sich über die weißen Weinreben legt, erhebe ich mich von meinem Lieblingsplatz, ein großer Stein von dem aus man einen wunderschönen Ausblick über das Dorf hat. Sommer wie Winter, ich komme gerne hier her, auch wenn der Stein unbequem ist. Es scheint fast, als ob er für jedermann, nur nicht für mich gemacht sei um darauf zu sitzen und glücklich zu sein. Aber ich tue mein bestes. Meine Schritte hört man kaum, der Feldweg, der sich wie eine weiße Python an den Berg schmiegt, ist gänzlich zugeschneit.
Wenn ich auf das Dorf im Tal blicke, so sehe ich die vielen, hellen Fenster der einfach gebauten Einfamilien- und Reihenhäuser. Es ist mehr als nur Licht. Aus diesen Fenstern tritt Wärme, Geborgenheit, Reinheit und ja, auch Liebe. Es ist bürgerliches Licht, dass da aus all den vielen hochkantigen Rechtecken der Dorfhäuser scheint, ein Licht, welches seine Kraft aus der Alltäglichkeit, aus der Routine bezieht. Ein Licht das „zu Hause“ zu dir sagt, wenn es dich trifft. Und dann frage ich mich, ob aus meinem Haus jemals so ein Licht scheinen wird. Ich frage mich, ob ich jemals ankomme. Ja ich frage mich, ob die Menschen, wenn ich einmal alt bin überhaupt noch in Häusern leben werden. Ihr hattet es alle so leicht und wisst das gar nicht, ihr Lichtgestalten dort unten. Wie soll ich heute ankommen, wenn ich nicht weiß, ob die Welt morgen noch dieselbe ist? Ich weiß ja nicht mal wo ich ankommen soll, geschweige denn wie.
In diesem Moment rutsche ich aus und falle hin. Der Boden ist unter dem samtigen Schnee verdammt vereist und hart. Der Schmerz wandert von meinem Becken in mein Gehirn. An das Umfallen und Aufstehen muss man sich schon gewöhnen, denke ich, stehe auf und laufe weiter zurück ins Dorf, wie ein Wildpferd, dass zahm zurück zu seiner Eselherde trottet.

2 Kommentare:

  1. Das liest sich wirklich gut, mach mal weiter so. Ich möchte mal sagen können... Den kenne ich... ;-)

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